Montag, 5. Februar 2018

Depression erklärt anhand von Game of Thrones

Mir kam soeben eine, wie ich finde, großartige Erkenntnis oder Idee. Was, wenn die Geschichte "Game of Thrones" eine Analogie zur Depression ist? "Hä???" werdet ihr jetzt vielleicht denken.
 Ich liebe Fantasygeschichten wie Harry Potter oder Herr der Ringe. Sie stecken voller Symbolik für die Kämpfe unserer inneren Welt. Die Dementoren bei Harry Potter beispielsweise stellen tatsächlich Depressionen dar.

Wer kein Fan von Game of Thrones ist, muss sich jetzt aber keine Sorgen machen, dass er mir nicht folgen kann oder sich langweilen muss. Ich werde diese komplexe Geschichte abseits der zahlreichen und unübersichtlichen politischen Intrigen in aller Kürze erklären.

Die Welt der Menschen ist durch eine riesige, magische Mauer abgetrennt vom sogenannten Norden, in dem nur Schnee und Eis herrschen. Dort leben abgesehen von einigen Menschen, den Wildlingen, grausige Kreaturen. Der Nachtkönig, eine Art untoter Eismensch mit großen magischen Kräften, hat es sich zum Ziel gesetzt, die Menschheit auszulöschen und die gesamte Welt mit Eis zu überdecken. Die von ihm getöteten Menschen werden zu Zombies.
Einst lebten nur die Kinder des Waldes (Naturfabelwesen) in dem Teil der Welt, der sich Westeros nennt. Dann kamen die ersten Menschen über das Meer gesegelt. Sie rissen das Land an sich und vertrieben die Kinder des Waldes mit Gewalt. Um sich zu schützen, erschufen sie den Nachtkönig, indem sie einem Menschen Drachenglas ins Herz stießen. Dann flohen sie in den Norden, und die Menschen errichteten die Mauer, um das Unheil dahinter von der Welt abzuriegeln.
Nach einer halben Ewigkeit - die Menschen halten die alten Geschichten vom Nachtkönig und den Untoten längst für Ammenmärchen, und die Kinder des Waldes haben ihren großen Fehler erkannt und ersuchen einen Jungen mit magischen Fähigkeiten um Hilfe - marschiert der Nachtkönig mit seiner stetig wachsenden Armee von Untoten gegen die Mauer auf und durchbricht sie mit Hilfe eines Zombiedrachen. Ein paar wenige tapfere Menschen und ihre feuerspeienden Drachen stellen sich ihm im Kampf zwischen den Lebenden und den Toten, zwischen Feuer und Eis, um die Welt vor der Auslöschung allen Lebens zu retten.
Wie die Geschichte endet, weiß noch niemand. Die letzte Serienstaffel erscheint vorraussichtlich 2019, und die letzten Bücher sind noch gar nicht geschrieben.

Ich interpretiere die Geschichte für mich so: Der Wald steht tiefenpsychologisch und in der Traumdeutung für das Unterbewusstsein. Die Kinder des Waldes sind innere Kinder, die sich tief verletzt ins Unterbewusstsein zurückgezogen und abgeschottet haben. Mit dem Heranwachsen mussten sie im Laufe des Lebens viele Grausamkeiten, Ungerechtigkeiten und Traumata erfahren. Daraufhin wurden von den verschiedenen inneren Anteilen (Überlebensanteil, verletzter Anteil) diverse Schutzmechanismen zur Selbsterhaltung entwickelt: eine undurchdringliche Mauer, hinter der sich alles verdrängen lässt, und einen vermeintlichen Freund, der alles zerstört, was bedrohlich ist / wirkt. Dieser "Freund" wird jedoch immer stärker und zum Selbstläufer. Er zerstört nicht nur das Bedrohliche, sondern auch alles Lebendige und Freudige. Was lange Zeit verdrängt wurde, bricht nun hervor. Die Depression - der Nachtkönig - lässt alles zu Eis erstarren und nimmt immer mehr "Land" in Besitz, bis nichts mehr übrig ist. Kein Leben, keine Freude. Die inneren Kinder erkennen, dass sie nun auch selbst bedroht sind, und rufen den stärksten inneren (den gesunden) Anteil und den Erwachsenen um Hilfe.

Fazit: Das Leben ist bedrohlich, Menschen fehlerhaft und die Welt grausam. Aber es ist auch wunderschön, voller Freude und Kreativität. Aus Angst vor immer mehr Verletzungen sich vor dem Leben verschließen und innerlich erstarren, mag für eine Weile wie eine gute Lösung aussehen. Es kann einem erstmal nichts mehr passieren. Doch dadurch sterben auch die guten Dinge ab. Und leider hört das Leben ja nicht einfach auf und lässt uns in Ruhe. Stattdessen muss kann man das innere Königreich (Psyche, Seele, Gedankenmuster) aufräumen. Grausame Herrscher wie dieser sadistische innere Richter darf man getrost vom Thron zerren und an ihre Stelle gütige, liebevolle Landesverwalter setzen. Neue Regeln und Gesetze werden aufgestellt, wie z.B. mehr Pausen, Schwäche erlauben... Es wird nicht mehr geraubt, geplündert und vergewaltigt. Alle Bewohner werden zum Umdenken angehalten, wohlwollender und liebevoller miteinander umzugehen, damit sich alle sicher fühlen können. Statt ständig für den Krieg aufzurüsten, wird der Fokus auf Lebensfreude und Kreativität gelegt, was immer das für den Einzelnen bedeuten mag.

Das klingt nun wirklich nach einem Märchen und so herrlich einfach. Ich weiß, dass es das nicht ist. Eine Umstrukturierung braucht sehr viel Zeit und ist nicht frei von Rückschritten und Fehlschlägen. Doch sie kann gelingen! Die einzige Alternative ist das Erstarren - der Tod.

Ich mag solche Analogien und Bilder. Sie helfen mir, die abstrakten Vorgänge in meinem Inneren besser zu verstehen, ihnen ein Gesicht und eine Gestalt zu geben und sie somit gezielter steuern zu können.

Bild: tvmovie.de

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Um die Übersicht über Kommentare zu behalten und Missbrauch zu verhindern, speichert Google Blogger über diesen Blog anonymisiert deine Daten wie Nutzername, E-Mail-Adresse und Webseiten-URL (wenn ausgewählt), Kommentartext sowie IP-Adresse und Zeitstempel deines Kommentars.
Mit dem Absenden deines Kommentars bestätigst du, dass du meine Datenschutzerklärung sowie die Datenschutzerklärung von Google gelesen hast und akzeptierst.