Donnerstag, 9. Februar 2017

Depressions-Bullshitbingo im Supermarkt und was ich sonst so treibe

Heute habe ich keinen therapeutisch wertvollen Artikel für euch. Heute muss ich einfach mal was loswerden.

Ich werde ja immer wieder gefragt, wie ich denn so meine Tage verbringe, da ich ja nicht arbeite. Da muss ich doch dann total viel Zeit haben und mich langweilen. Ja, ich bin froh, dass ich mir meine Zeit selbst einteilen kann, soweit das ohne Termine und Pflichten möglich ist. Nein, ich langweile mich nicht. Auch dann nicht, wenn ich auf dem Sofa liege. Dann ruhe ich mich nämlich aus, weil es die Tage zuvor wieder etwas viel war. Gestern zum Beispiel.

Halb 8. Katze schreit nach Futter. Damit ist die Nacht vorbei. Ich schlafe also nicht bis mittags. Der Gatte ist mal wieder krank und schlurft Minuten später zum Frühstückstisch. Ich checke im Internet den nächstmöglichen Arzttermin für ihn. 12:30 Uhr. Prima. Ich muss sowieso einkaufen gehen. Nach dem Frühstück duschen. Mann legt sich wieder ins Bett. Schon halb 10. Wie die Zeit vergeht! Spülen. Um 10 kommt ein Handwerker (wenigstens pünktlich) wegen unserer Terrassentür. 20 Minuten fachsimpeln. Er meldet sich. Hoffentlich. Zu Ende spülen. Kurz chillen, weil schon wieder müde. Noch was essen, dann auf zum Arzt. Während der Mann im Wartezimmer ausharrt, fahre ich zum Supermarkt. Dort nimmt das unheilvolle Schicksal seinen Lauf.

An der Kasse reiht sich hinter mir eine Bekannte ein. Hallo. Ich lasse sie vor, weil sie weniger Waren hat als ich. Dankbar nimmt sie an, weil sie nur eine halbe Stunde Mittagspause hat. "Und du hast nicht vor, wieder zu arbeiten?" "Äh..., das hat mit vorhaben nichts zu tun." Stammelnd versuche ich zum millionsten Mal in meinem Leben meine Situation zu erklären. Leistungsfähigkeit nicht zuverlässig abrufbar, Angst vor erneutem Absturz und so. Ich versuche, es kurz zu halten. "Man kommt ja sonst nie da raus", sagt sie als selbst Depressionserfahrene. "Naja, ich würde durch Arbeit eher wieder reinkommen." Verdutztes Gesicht. Hach, was versuch ich es überhaupt? Versteht ja doch keiner mein Problem mit der Arbeitswelt. "Und, was machst du denn heut noch so?" Obacht! Der Neid schielt um die Ecke. "Ich muss Jochen vom Arzt abholen, dann noch woanders einkaufen, ein paar Dinge erledigen, nach Hause, dann zum Stall, kochen und endlich Feierabend." "Ach, schon Feierabend! Wie schön!" "Naja, dann ist halb 8." "ICH hab erst um 11 Feierabend!" Selber Schuld! "Nee, um 11 müssen wir schlafen gehen. Wie gehts deinen Katzen?" Kurz vorm Explodieren. Stattdessen implodieren. Ich bin ja höflich. Leider. Wem will sie hier was beweisen? Hat die mal in den Spiegel geguckt? Der Tod auf Latschen sieht frischer aus! Immer dieses "Guck mal, was ich alles leiste! Und du?" Immerhin war sie froh, dass ich aufgrund meines Nichtarbeitens die Zeit hatte, sie an der Kasse vorzulassen. Laune auf dem Tiefpunkt. Overload meldet sich an. Mir ist zum Heulen.

Anruf vom Mann. Sitzt immer noch im Wartezimmer. Fahre allein zum Bioladen. Dann endlich Jochen abholen. Auf zum Nachbardorf an der Post ein Paket abholen und die Arztzettel bei der Krankenkasse einwerfen. Zu Hause erstmal kurz durchdrehen. Müll sortieren beruhigt. Einkäufe einräumen. Eine Stunde chillen und runterkommen. Klingt lang, reicht aber bei Weitem nicht. Weiter gehts zum Stall.

Paddock abäppeln = durch den stiefelausziehenden Sumpf mit Schubkarre stapfen. Während des Äppeleinsammelns phantasieren, dass ich in den Matsch falle und folgenden Schlachtplan aushecken: Horns up und "Wacköööön!!!" rufen, dabei im Kopf "Fear of the dark" von Iron Maiden abspielen. Passiert aber nicht. Dem Rücken kurz ne Pause gönnen. Für die Ponys kochen = Futtereimer mit Medikamenten und Kräutern vorbereiten. Heu für die Nacht bereit stellen und mit Effektiven Mikroorganismen gegen Schimmelpilze besprühen. Die vom Mann bereits leergeräumten Boxen einstreuen, dabei das Stroh wutentbrannt reinschmeißen, weil irgendwie alles schief geht. Scheiß Tag halt. Mit Wurmkur-Diskussion konfrontiert werden, die ich heute eigentlich hatte meiden wollen, weil Scheiß Tag halt. Gemeistert, hat aber Kraft gekostet. Ich hatte noch welche über? Ein paar Minuten vertrödeln bis Zeit zum Reinholen ist. Die im Moment durchgeknallten Araberfohlen vom Paddock in die Box befördern und davon überzeugen, dass ihr Spiegelbild in der Pfütze sie nicht auffrisst. Keiner wurde getötet. Nach Hause. Frisch machen und umziehen. Kochen = Gemüse schnippeln. Währenddessen Bauchkrämpfe kriegen. Ungünstig, so vor dem Essen. Mit Bauchkrämpfen durch das Essen quälen. Wie vorhergesagt um halb 8 endlich auf dem Sofa entspannen, um die Bauchschmerzen loszuwerden. Gegen 10 fast vorm Fernseher eingeschlafen. Bei einer letzten Zigarette vor der Haustür Dachs und Marder Gute Nacht gesagt. Schlafen.

Nein, ich hab echt nix zu tun! Und ich bin voll belastbar!

Kommentare:

  1. Find ich auch immer total toll, was andere (zum Teil selbst Betroffene) für einen Müll von sich geben! Da rege ich mich auch immer wieder drüber auf...

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  2. Kann ich (leider) voll unterschreiben.
    Mein Mitgefühl.
    Liebe Grüße

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