Samstag, 14. Januar 2017

Ein Geschenk für das innere Kind

Bildquelle: Pixabay

Zu Weihnachten schenkte mir mein Mann zwei Bücher von Susanne Hühn über das innere Kind. "Selbstwert entwickeln" und "Angst loslassen". Die Lebensberaterin und Autorin schreibt sehr einfühlsam und leicht verständlich über die Nöte des inneren Kindes, die ihren Schatten bis in die erwachsene Gegenwart werfen, und schlägt Übungen und Meditationen vor, um die Wunden zu heilen. Man könnte die Übungen auch Fantasiereisen nennen. "Der Zaubergarten des inneren Kindes" war mir als "Der sichere Ort" aus der Klinik in leicht abgewandelter Form bekannt. Die kleinen Bücher von knapp 100 Seiten haben mich meinem inneren Kind wieder ein Stück näher gebracht. Und ich durfte feststellen, dass wir schon eine recht gute Beziehung zueinander haben, was mich sehr gefreut hat. Vor ungefähr 7 Jahren war mir mein inneres Kind noch völlig fremd und sogar unangenehm.

In "Selbstwert entwickeln" geht es im letzten Kapitel um Geschenke. Kinder mögen Geschenke und freuen sich in Erwartung der Erfüllung ihrer Wünsche. Wenn man dies als Kind anders erlebt hat, wenn man häufig enttäuscht wurde oder ein pädagogisch wertvolles Geschenk bekam statt des heiß ersehnten, kann man sein inneres Kind heute selbst beschenken. Als Erwachsener denkt man ja auch eher vernünftig und überlegt, ob man das wirklich braucht. So geht es jedenfalls mir.

Von meiner Schwiegermutter bekomme ich zu Weihnachten Geld, mit dem ich mir etwas kaufen darf. Nur für mich. Was mache ich? Ich schaue nach, was mir fehlt (Winterpullover oder so), überlege, etwas für den Haushalt zu kaufen oder einfach damit den Wocheneinkauf zu erledigen. Was Vernünftiges eben. Einerseits möchte ich bewusster und weniger konsumieren und negative Gefühle nicht mehr mit sinnlosen Frustkäufen betäuben, andererseits möchte ich Geld sparen. Im Prinzip ist das ok. Ich fühle mich sehr wohl damit.

Auf der Suche nach einem Geschenk für meinen Mann stolperte ich in einem Internet-Shop für Mittelalterschmuck über wunderschöne Haarperlen. Als ich im Teeniealter endlich lange Haare hatte, habe ich mir gerne kleine Zöpfe in die Mähne geflochten. Solche Perlen hatte ich immer schon gesucht und nirgends gefunden. Da waren sie! Ich suchte mir die zwei schönsten raus. Mit Versandkosten war ich bei knapp 30€. Hm. Ist jetzt nicht sooo viel, aber trotzdem schon ein Sümmchen. Damit kriege ich auch den Tank halb voll. Also habe ich die Idee wieder verworfen und auf unbestimmte Zeit verschoben. Haarperlen brauche ich nicht unbedingt.

Ich tröstete mich mit der neuen Jeans, die dringend nötig war, weil alles andere zerrissen. Und spürte, dass etwas in mir trotzdem vor sich hin welkte. Die Kleine war traurig. Sie fühlte sich betrogen. Ich hatte mit ihr Haarperlen ausgesucht, aber nicht gekauft. So welche hatte sie sich doch immer schon gewünscht! Beseelt von dem Buch dachte ich: Ja, klar! Typisch! Ich denke immer, dass ich mir genug gönne, aber ist das wirklich was für's Herz? Bewusster Konsum gut und schön, das versteht die Kleine aber nicht. Und natürlich geht es nicht darum, ihr jetzt alles zu kaufen, was sie haben will. Aber Versprechen muss man halten. Sonst leidet das Vertrauen. Und hallo! 30€! So arm sind wir nun auch nicht.

Es ist verrückt. Aber kaum hatte ich die Haarperlen bestellt, machte sich in mir ein wohliges Gefühl breit. Eine Mischung aus Vorfreude, Sicherheit wegen des eingehaltenen Versprechens und - ja, irgendwie zu Hause, verwurzelt. Kann ich jetzt auch nicht erklären. Aber die Kleine in mir war beruhigt. Und jetzt hat sie endlich ihre Perlen in den kleinen Zöpfen und fühlt sich damit schön und wild. Und ich kriege gerade Tränen der Freude in die Augen.

Kommentare:

  1. Mein inneres Kind freute sich schon beim lesen, ab ungefähr dort, wo du den Weg zur Einsicht oder Neusicht geschildert hast.

    Es ist jetzt ganz erleichtert und es sagt: Siehst du, so könnt ihr Erwachsenen uns inneren Kindern helfen... seht uns und (er)hört uns.. dann wird irgendwann alles gut.

    Danke für diese Worte. Sie bringen mich näher an das noch kaum bekannte kleine Wesen in mir heran.

    Liebe Grüße, Pat

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    1. Ja, es lohnt sich sehr, sich mit dem inneren Kind zu beschäftigen. Ich war ganz erschüttert, als ich feststellte, wie doof ich sie selber fand. Weil sie nie sie selbst sein durfte. Das verdrehte Bild gefiel mir nicht. Die echte Kleine dahinter konnte ich gar nicht sehen. Jetzt ist sie frei.

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    2. Ja, so in der Art ist das bei mir auch. Über eine lange Zeit wußte ich nicht einmal das es sowas wie ein inneres Kind gibt, dann wußte ich nicht wie ich sie finde und wie sie wohl so drauf ist und was sie glücklich macht. Sie war mir ziemlich fremd. Außerdem habe ich ihr "Gejammere" oft als übertrieben und anstrengend empfunden. Nun bin ich auf dem Weg zur ihr. Und du hast dein inneres Kind für dich befreien können, was ich wundervoll finde. Ich freue mich für dich.

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  2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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