Samstag, 19. November 2016

Warum eigentlich "Dare to be mad"?

Ruhe, Klar, Trinken, Füllung, Glas, Glasig, Flüssigkeit

Als ich diesen Blog eröffnete, musste ich mir einen Titel überlegen. Leider weiß ich nicht mehr alle meine Ideen. Ist ja schon 3 Jahre her. Aber auf "Dare to be mad" kam ich ziemlich schnell. Da ich Perfektionistin bin, überlege ich natürlich in unregelmäßigen Abständen, ob das ein guter Einfall war. Auf Englisch. Das Wort "mad"  - also "verrückt" - enthaltend. Was, wenn der Leser nicht versteht, was ich damit meine? Hätte ich einen deutschen Titel wählen sollen, der sofort deutlich macht, dass es um Depressionen geht? Deshalb der Untertitel "Leben mit Depressionen und Hochsensibilität". Manchmal finde ich mich sehr unoriginell. Es ist aber auch schwer, im Dschungel der Ideenfülle einzigartig hervorzustechen. Irgendwie gibt es schon alles. Im Nachhinein seinen Blog umzubenennen, halte ich für zu verwirrend für die Leser. Und ich hatte mir damals ja auch was dabei gedacht.

"Wage es, verrückt zu sein", damit ist natürlich das positive Verrücktsein gemeint, das rebellische, spielerische, lebensfröhliche Anderssein im Sinne von "etwas Eigenes machen", anstatt mit dem allgemeinen Strom zu schwimmen. Es geht sicherlich nicht darum, auf Biegen und Brechen besonders zu sein, sondern um das Folgen der inneren Stimme, der so oft aus Vernunft der Mund verboten wird. Denn die verrückten Ideen sind meistens die besten, wenn wir den Mut haben, sie umzusetzen, und nicht auf all die Schwarzmaler hören, die uns unsere Träume neiden. Ihre innere Stimme ist längst verstummt, weil man ihnen eingeimpft hat, man müsse realistisch sein.

"Alle haben gesagt, es ginge nicht. Und dann kam einer, der wusste das nicht, und hat's gemacht."

Den Spruch hat sicher jeder schon gehört. Ich mag ihn. Deshalb musste er jetzt hier hin.

Es gibt Menschen, die sehr zufrieden sind mit ihrem Bürojob. Oder was sie halt so beruflich machen. Und das ist gut so! Ich finde es nur so schade, dass den Menschen, die nirgendwo reinzupassen scheinen, vermittelt wird, sie seien ein Problemfall. Nicht der Mensch muss in eine Form passen, das Leben muss zu den Menschen passen. Und wenn dem nicht so ist, kann der Mensch nichts dafür. Dann darf er sein Leben an seine Bedürfnisse und Wünsche anpassen. Auch wenn das nicht dieser mysteriösen Norm entspricht.

Ich weiß. Eine alleinerziehende Mutter von 3 Kindern wird nicht mal eben ihren verhassten Job aufgeben können, um ihrer inneren Stimme zu folgen. Dieser reißerische Satz "Du kannst alles tun, was du willst, wenn du nur an dich glaubst!", wie es häufig vermittelt wird, ist in der Tat nicht ganz richtig. Insbesondere wenn man kaum Geld hat aber einen Briefkasten voller Rechnungen. Doch auch diese alleinerziehende Mutter hat Möglichkeiten, ihr Leben zu ändern. Der enstandene Frust über den Ernst des Lebens lässt unsere Perspektiven gerne eindimensional erscheinen. Dann glaubt man tatsächlich, dass man sich in die vorgegebene Form hineinquetschen muss. Und tut es auch noch so weh. Bis die Depression an die Tür klopft. "Guten Tag! Ich möchte mit Ihnen über Ihr Leben sprechen."

Ich bin selbst eher der pessimistische Typ. Überraschung, ich bin ja auch depressiv. Da soll es einen Zusammenhang geben. Und trotzdem lässt mich das Gefühl nicht los, dass auch ich mein Leben individuell gestalten darf. Dass auch ich etwas "Verrücktes" machen darf. Also verrückt, weil das die introjizierten Stimmen in meinem Kopf sagen. Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole, aber die stinknormale Jobsuche inklusive Bewerbung und Vorsprechen passt nicht zu mir. Will sagen, mich macht das krank. Und es ist bei Weitem nicht einfacher, sich etwas Eigenes zu kreieren. Das konfrontiert mich mit mindestens genauso vielen Ängsten. Und doch gibt es mir Energie, statt mich zu lähmen. Abgesehen von den Tagen zwischendurch, an denen ich wiedermal denke, für immer verloren zu sein und nie etwas auf die Reihe zu kriegen, weil ich sowieso nichts kann. Mein inneres Tempo ist ja leider sehr langsam. Aber irgend etwas reift da in mir heran... Schauen wir mal.

"Dare to be mad" bedeutet für mich auch, zu sich und seiner Depression (oder welcher Diagnose auch immer) zu stehen. Wir sind nicht ver-rückt. Wir sind krank, und dafür gibt es Gründe und Ursachen, die man beheben kann bzw. ist es möglich zu lernen, damit zu leben, ohne dass es allzu sehr stört. Ein Anpassen der Lebensumstände gehört oftmals dazu. Vielleicht entspricht das dann nicht gerade unseren Wünschen und Träumen, aber es hilft uns, weniger bis gar nicht mehr zu leiden.

Bildquelle: Pixabay

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