Sonntag, 14. August 2016

Das innere Kind nähren

11°C im August sind ekelhaft. Wer braucht schon Winterdepression, wenn er auch im Sommer niedergeschlagen sein kann? Mein kürzliches Tief war jedoch nicht nur wetterbedingt. Manchmal beschleicht mich diese innere Leere wie aus dem Nichts. Und genau in jenes falle ich dann. Appetit adieu, Interesse futsch, alles grau. In solchen Momenten fragen Therapeuten gerne: "Was brauchen Sie jetzt?" Seelennahrung! Etwas, worüber sich die Kleine in mir freuen kann. Vor lauter Alltagsverpflichtungen war das wieder komplett in Vergessenheit geraten. Ich müsste eigentlich schon wieder putzen. Mir fehlt aber die Energie. Ich möchte was Schönes machen! Aber dann bleibt es dreckig. Keine Kraft für nichts. Dann mache ich halt das: Nichts. Und wieder legt sich die Bleidecke über meine Seele...

Vorgestern gingen wir in unserer neuen Heimat spazieren auf der Suche nach dem Waldeingang. Nach etlichen Wohnsiedlungen tat er sich endlich vor uns auf: der Wald! Als Kind musste ich fast jeden Sonntag mit meinen Eltern im Wald spazieren gehen. Als ich noch klein war, fand ich das schon spannend. Allerdings wäre ich viel lieber "querfeldein" gegangen als auf den vorgegebenen Wegen. Auf mein regelmäßiges Quengeln hin versprach mein Vater mir, das eines Tages mit mir zu machen. Dazu ist es leider nie gekommen. Mit zunehmendem Alter verschwand meine Wanderlust.

Nun bin ich aber erwachsen und kann selbst entscheiden, wo ich lang laufe. Es war verrückt! Kaum betraten wir den Wald, veränderte sich meine Stimmung. Was für ein herrlich wildes Stück Natur! Fast hätte ich mich beim Hüpfen erwischt. Mein Mann konnte gar nicht so schnell gucken, wie ich abseits der Wege in die Baumkathedralen und Büsche verschwand.
"Ach, schau mal, wo gehts denn hier lang?"
"Das ist kein Weg."
"Sagt wer?"
"Das sieht man doch."
"Aber das ist ja das Interessante daran!"
Da uns die Pflichten wieder nach Hause bzw. in den Stall riefen, beschlossen wir, am folgenden Tag wieder herzukommen. Natürlich musste der Fotoapparat mit!





Es hat so viel Spaß gemacht, den Wald zu erkunden, auf der Grenzlinie zwischen Belgien und Deutschland zu wandern und schöne Ruheplätze zu entdecken. Den Wald riechen, die Raubvögel schreien hören, schöne Foto-Objekte finden. Ich war völlig da und wach.


Seitdem ist mein Tief fürs Erste wieder gebannt. Ich fühle mich inspiriert und erfüllt. Warum vergesse ich das immer wieder?

Interessant finde ich, dass ich schon mein Leben lang lieber auf unüblichen Pfaden wandere. Das trifft ja nicht nur auf den Waldspaziergang zu. Mainstream war mir irgendwie immer zu langweilig. Das klingt jetzt so, als wollte ich unbedingt jemand Besonderes sein, indem ich besondere Dinge tue. Nein, es zieht mich einfach dort hin. Und ich empfinde es gar nicht als so besonders sondern eben einfach nur als interessanter. Wenn ich auf geteerten Wegen gehe, knipst sich irgendwann mein Bewusstsein aus. Dann kriege ich von meiner Umwelt nicht mehr viel mit. Und denken muss ich auch nicht. Ich brauche ja nur dem Weg zu folgen, der mich sicher beschildert ans Ziel bringt. Also an "das" Ziel - nicht unbedingt an "mein" Ziel. Laufe ich quer durchs Unterholz, bin ich gefordert, hinzuschauen und zu überlegen. Und ich entdecke oder finde Dinge, die ich sonst sicher nicht gefunden hätte.

Kommentare:

  1. Hallo!

    Dein neuer Hintergrund ist super schön, aber die helle Schrift ist für mich kaum zu lesen, was ich sehr schade finde.

    lg
    Maria

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  2. Ah - Anzeigefehler auf meinem PC - sorry!

    lg
    Maria

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    1. Ich wunderte mich schon. Hab eigentlich nichts verändert. Die Technik...

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