Mittwoch, 24. Februar 2016

Depressionen und Rückenschmerzen


Zwischen Depressionen und Rückenschmerzen soll ein Zusammenhang bestehen. Da ich mich für Psychosomatik interessiere und meine Symptome auf allen Ebenen zu behandeln versuche, lockte mich ein Internetartikel mit vielversprechendem Titel. Nach ein paar Zeilen musste ich dann aber grinsen. Zum Ärgern war mir das zu blöd.

Die Erklärung: Depressive liegen wegen ihrer Antriebslosigkeit nur auf dem Sofa rum. Durch die mangelnde Bewegung  verkümmern die Muskeln und tadaaa - Rückenschmerzen. Man möge mir meine flapsige Ausdrucksweise verzeihen. Aber so eine oberflächliche Darstellung verdient nichts Besseres.

Es ist schon richtig, dass viele Menschen mit Depressionen keinen Drang versprüren, sich zu bewegen. Deshalb wird in Kliniken Frühsport und Bewegungstherapie verordnet. Durch Bewegung werden Endorphine ausgeschüttet, die dem Morgentief entgegenwirken. Und es ist auch richtig, dass unbenutzte Muskeln erschlaffen und mit der Zeit Schmerzen verursachen, weil sich alles verspannt. Das trifft aber genauso gut auf Menschen zu, die den ganzen Tag im Büro sitzen und abends auf der Couch liegen. Weil sie Sportmuffel sind. Oder auf jeden anderen, der sich zu wenig bewegt (und vielleicht trotzdem keine Rückenschmerzen hat). Das erklärt für mich keinen Zusammenhang mit Depressionen. Außerdem gibt es das Phänomen der übersteigerten Aktivität, mit der Betroffene ihre Depression zu verdrängen suchen. Das stereotype Bild vom passiv rumliegenden Depressiven, der "sich halt einfach nur mal bewegen müsste", ist eine freche Beleidigung.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich trotz Bewegung (Stallarbeit) immer wieder mal Rückenschmerzen habe. Die Muskeln sind verspannt und drücken die Wirbel aus ihrer Position, wodurch ein Nerv abgeklemmt wird. Oft gehe ich abends beschwerdefrei ins Bett, um am nächsten Morgen nach einer unruhigen und wild durchträumten Nacht mit schmerzendem Nacken aufzuwachen. Was lässt mich da so verkrampfen?

Depression ist ein inneres Erstarren, das sich körperlich durch verspannte Muskeln äußert. Für mich sind psychsomatische Rückenschmerzen festgehaltene Emotionen. An oberster Stelle der Ursachen steht meiner Meinung nach die Angst. Es heißt ja auch "Mir sitzt die Angst im Nacken". Ängstliche Menschen ziehen den Kopf ein, was nur durch das Hochziehen der Schultern möglich ist. Hebt mal eure Schultern bis zu den Ohren und haltet diese Position für ein paar Sekunden. Tut's schon weh? Wer Angst und Stress hat, macht dies völlig unbewusst. Es wird ihm eher schwer fallen zu entspannen, als diese Position zu halten. Eine andere Erklärung wäre das Tragen von zu vielen Lasten. "Er trägt die ganze Welt auf seinen Schultern." Egal ob eigene Schicksalsschläge oder die Übernahme fremder Verantwortungen - wer ständig "Kohlesäcke" mit sich herumschleppt, kriegt's mit dem Kreuz. Ebenso führt stressbedingtes Zusammenbeißen der Zähne zu Kieferverspannungen, aus denen Kopf- und Nackenschmerzen resultieren (und oft auch kaputte Zähne wegen Knirschen während der Traumphase). Bei heftigem Erschrecken ziehen wir sämtliche Muskeln zusammen, um einen Schutzpanzer zu bilden. Vielleicht sitzt einem der Schrecken noch in den Knochen.

Es gibt verschiedene Ansätze von mehreren Leuten, die sich mit Psychosomatik auseinander setzen, u.a. die bereits erwähnte Louise L. Hay. Dabei werden Zusammenhänge der Rückenregionen mit jeweiligen Lebensbereichen hergestellt. Z.B. können Schmerzen im unteren Rücken auf Probleme mit Sexualität, Weiblichkeit, unerfülltem Kinderwunsch... hindeuten. Diese Darstellung als allgemeingültiges Raster zu verstehen, wäre sicherlich nicht individuell genug. Es ist höchstens ein brauchbarer Wegweiser auf der Suche nach eigenen Baustellen. So wird auch jeder einzelne Wirbel Organen und emotionalen Problemen zugeordnet. Auch das ist ganz hilfreich, erspart einem jedoch nicht das eigene Forschen.

Ich habe festgestellt, dass Rückenschmerzen auch mit dem Atmen zusammenhängen. Bei innerer oder äußerer Verkrampfung atme ich flacher oder fast gar nicht mehr. Damit halte ich meine Emotionen in Schach. Wenn schon Rückenschmerzen da sind, tut das Atmen außerdem weh. Schließlich dehnen sich die Lungen und damit die umliegenden Muskeln sowie die Rippen, die mit der Wirbelsäule verbunden sind. Wenn Atem Leben ist und mir das Atmen Schmerzen bereitet, tut mir also das Leben weh. Konzentriere ich mich auf ein tieferes Durchatmen, fließen oft plötzlich die Tränen. Festgehaltene Emotionen werden freigesetzt, Entspannung stellt sich ein.

Der Rücken ist auch das Rückgrat, womit wir Charakterstärke verbinden. Manchmal frage ich mich, wie sehr ich von meinen umprogrammierten Glaubenssätzen überzeugt bin. Kaum denke ich wieder, ich "sollte" irgendwas, geraten Selbstbild und Lebensentwurf ins Wanken. Und der alte Glaubenssatz, ich sei falsch, taucht aus den Untiefen meiner Seele auf. Stehe ich zu mir selbst? Zeigt sich in meinen Rückenschmerzen der Konflikt zwischen alten und neuen Gedankenstrukturen?

Was auch immer die Rückenbeschwerden verursacht, Bewegung ist auf jeden Fall hilfreich. Ob Yoga, Tanzen, Schwimmen... da muss jeder für sich das Richtige finden. Schonhaltung verschlimmert die Schmerzen. Obwohl das Liegen auf einem Heizkissen zwischendurch auch sehr gut tut und Linderung verschafft. Wenn Angst die Ursache ist, gibt Wärme zudem das wohlige Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Werden die psychischen Themen vernachlässigt, kehren die Schmerzen allerdings immer wieder zurück wie ein Boomerang.

Dass Depressionen und Rückenschmerzen nun per se miteinander verknüpft sind, würde ich so nicht sagen. Es soll auch Depressive ohne derartige - oder mit völlig anderen  - Beschwerden geben. Hinter jedem körperlichen Symptom steckt (möglicherweise) ein psychisches Problem. Dafür muss man nicht zwingend depressiv sein. Auf jeden Fall denke ich, dass sich seelische Anspannung sehr häufig in Rückenschmerzen und / oder Magen-Darmbeschwerden zeigt. Das dürfte u.a. auch auf Menschen mit Angststörungen zutreffen sowie auf jeden, der gerade unter starkem Stress steht.

Bild: Pixabay

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