Mittwoch, 11. November 2015

Wie ein Mantel aus Blei


Ich trage einen Mantel aus Blei und Schuhe aus Beton. Mein Rücken schmerzt und krümmt sich unter der Last. Schultern und Nacken verspannen sich immer mehr. Jeder Schritt ist so unendlich mühsam, weil ich kaum die Füße heben kann.

Mein Kopf ist in einen Helm aus Watte gehüllt, auf dem ein Ziegelstein thront. Geräuschsfetzen dringen undeutlich an mein Ohr. Informationen erreichen mein Gehirn fragmentiert, so dass ich sie nicht entschlüsseln kann. Gedanken fließen zäh durch die grauen Zellen und lassen sich nur widerwillig in sinnergebende Worte fassen. Ideen lösen sich vor ihrer Umsetzung im Nirvana meiner verbrauchten Speicherkapazität auf.

Ich versuche, das Beste aus all dem zu machen, und balanciere den niederdrückenden Ziegelstein auf meinem Kopf wie ein Supermodel ein Buch beim Lauftraining. Mein Gang wirkt steif und unecht. Hoffentlich merkt keiner was. Sie schauen schon wieder so komisch. Ich lächle und reiße Witze. Sie lachen. Gut so. Ich weine innerlich. Wäre ich doch zu Hause geblieben.

Ich bin erschöpft, des Lebens müde. Das war früher mal anders. Da erschien mir nicht alles so furchtbar schwer. Ich bin wütend auf meinen Bleimantel und die Betonschuhe. Ich komme mir dumm vor mit dem Wattehelm. Der Ziegelstein erschwert mir den Blick auf den Horizont. War das ein Silberstreif?

Bild: Pixabay

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