Montag, 28. September 2015

"Wenn es das nicht ist, ist es etwas anderes."

Ich weiß nicht mehr, aus welchem Film dieses Zitat stammt. Aber ich finde es äußerst beruhigend. Es ist in Ordnung, wenn etwas nicht funktioniert oder ich meine Meinung ändere. Das ist nicht das Ende.

Meine Ausbildung zur Hufpflegerin stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Wie ich aber halt so bin, wollte ich mit dem Kopf durch die Wand und hielt es für normal, dass ich kämpfen muss. So war es ja immer schon in meinem Leben. Und so wird es auch oft vermittelt. "Man muss für seine Ziele und Träume kämpfen. Hindernisse sind da, um sie zu überwinden." Vielleicht will einem das Leben aber auch mit gewissen Schwierigkeiten sagen: "Das ist nicht dein Weg." Meine Therapeutin sagt häufig: "Es darf leicht sein." Ich denke dann jedes Mal: Bei mir ist es aber nie leicht. Unfair! All diese Glaubenssätze bewirken, dass ich Dinge in mein Leben ziehe, mit denen ich mich herumquäle. Glaubenssätze wie "Aufgeben gilt nicht! Wenn ich was erreichen will, muss ich kämpfen. Wenn ich nicht kämpfen muss, stimmt was nicht. Es ist mir nicht vergönnt, dass mein Leben leicht ist. So ist eben die Realität."

Zuerst verschlief ich meinen Kennenlerntermin. Beim zweiten Anlauf war kurz vor dem Ziel die Autobahnausfahrt gesperrt, und ich irrte umher. Dann verwehrte mir die Krankenkasse eine finanzielle Unterstützung. Meine Anmeldung musste ich dreimal verschicken, bis sie endlich ankam. Oft waren unterwegs Straßen gesperrt, so dass ich mich böse verfuhr, weil mein Navi sich auch nicht mehr auskannte. Bei den praktischen Arbeiten stellte sich heraus, dass ich gegen Pferdehaare allergisch bin. Nach 5 Jahren mit einem eigenen Pferd hatte ich plötzlich roten Ausschlag auf den Armen und bekam nachts fast keine Luft mehr. Wahrscheinlich ist der permanente Kontakt mit Pferden einfach zu viel. Und immer wieder die Zweifel, ob ich das körperlich packe, und das Gefühl, in der falschen Welt gelandet zu sein. Nachdem die Atemwegsentzündung überhaupt nicht mehr abklingen wollte, habe ich mich dazu entschlossen, die Ausbildung vorzeitig zu beenden.

Was ist mit meiner anfänglichen Euphorie passiert? Nach dem zweiten Klinikaufenthalt war klar, dass ich nicht mehr lange krank geschrieben bleiben kann und will. Also musste eine Alternative zu meinem ersten Beruf her, den ich nicht mehr ausüben will. Es musste etwas Ausgefallenes sein. Etwas, wofür mich andere beneiden, weil es besonders ist. Und es musste natürlich das endgültig Richtige sein. Aus dem selbst verursachten Druck heraus habe ich schnell nach dem nächstmöglichen Plan gegriffen in dem Glauben, mein Leben gestalten und entwerfen zu müssen - bis an mein Lebensende. Ziemlich lange Zeitspanne. Und ganz schön starr. Natürlich ist es gut, sein Leben aktiv zu gestalten, statt auf Gelegenheiten zu warten oder alles so hinzunehmen, wie es ist bzw. scheint. Aber habe ich nicht letzten Endes auf einem anderen Gebiet das weitergeführt, was mich vorher belastet hat? Die Psyche ist so geschickt darin, einen immer wieder in dieselbe Sackgasse zu führen. Im Grunde genommen wollte ich nur endlich etwas vorzeigen können. "Ich mache dies und jenes." Und ich wollte begeistert sein von dem, was ich tue, und zu denen gehören, die ihre Arbeit lieben und darin aufgehen. Selbsttäuschung nennt man das wohl. Funktioniert fantastisch.

Es war einen Versuch wert. Ich wollte unbedingt wissen, wie es ist, als Hufpflegerin zu arbeiten. Ich wollte lernen, wie das geht. Und es war eine gute Idee. Nun weiß ich es und kann meinem Pferd selbst die Hufe machen unter Supervision unserer Pflegerin, die nicht mehr so oft kommen braucht. Und es passt beruflich doch nicht zu mir. Ich bin eher der Typ für das Feine und Geistige. Und egal, was ich anfange, was ich arbeite oder neu lerne, der Glaubenssatz "Ich bin nicht gut genug, und es interessiert eh keinen." begleitet mich überall hin. Dem kann ich mit einer neuen Ausbildung nicht entfliehen. Meine alte Therapeutin war überhaupt nicht begeistert davon, dass ich Pferdehufpflege lerne. "Du wärst so eine gute Therapeutin!", sagte sie enttäuscht. Kurz darauf lief im Fernsehen "Gottes Werk und Teufels Beitrag", oder, wie er im Original heißt, "The Cider House Rules", was viel besser passt. Und ich dachte: Hm... Ein Wink mit dem Zaunpfahl? Laufe ich auch vor meinen Fähigkeiten weg? Und ist Gestalttherapeutin nicht auch schon etwas Besonderes?

In meinem Hinterkopf höre ich schon wieder sämtliche Stimmen, die mir negative Gedanken einflüstern wollen. "Aus dir wird nie was. Du gibst zu schnell auf." Mir sagte mal jemand, ich würde nie lange mit einem Mann zusammen bleiben. Ein paar Wochen später begann meine aktuelle Beziehung. Das ist nächsten Samstag exakt 13 Jahre her. Ich glaube, das ist lang. Warum soll ich bei jemandem oder etwas bleiben, wenn es sich falsch anfühlt und mich nicht glücklich macht, auch wenn ich anfangs dachte, das Passende gefunden zu haben? Wenn es das nicht ist, ist es eben etwas anderes.

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