Sonntag, 9. August 2015

Meine Hochsensibilität

Aufbauend auf die am 07.08. aktualisierte Blogseite Hochsensibilität möchte ich mich heute mit meinen persönlichen hochsensiblen Facetten beschäftigen. Worin erkenne ich mich wieder, und wie erlebe ich diese Aspekte?

Ich bin definitiv introvertiert. Auch wenn ich souverän und selbstbewusst wirken kann, laufe ich nicht aus Eigenantrieb auf fremde Menschen zu. In Gruppen halte ich mich gerne im Hintergrund. Menschenmengen sind mir äußerst unangenehm aus verschiedenen Gründen, die ich später noch erkläre. Diese Eigenart ist nicht mit Sozialphobie zu verwechseln. Es gibt zwar ein paar Überschneidungen, aber es handelt sich um zwei völlig verschiedene Paar Schuhe. Zumal Sozialphobie eine psychische Diagnose ist und u.a. mit starken körperlichen Symptomen einhergehen kann. Dennoch haben introvertierte HSP ebenso häufig Angst davor, Fehler zu machen und dadurch blöd aufzufallen.

Was die verschiedenen Bereiche betrifft, sehe ich mich besonders als emotional sensibler Mensch. Ich spüre Stimmungen in Gruppen und bei einzelnen Menschen, was mich leider sehr beeinflusst und verunsichert, weil ich die Abgrenzung noch nicht so gelernt habe. Oft weiß ich nicht, welche Emotionen meine sind und welche ich von anderen aufgenommen habe. Deshalb mag ich Menschenmengen nicht besonders, weil all die verschiedenen Stimmungen durch mich hindurch rauschen. Mir ist das auch zu eng und zu nah. Ebenso fühle ich die Energie oder Atmosphäre in einem Haus u.ä.; erst vor Kurzem wurde mir bei einer Hausbesichtigung schlecht. Mit meinen intuitiven Einschätzungen liege ich meistens richtig. Ich sage meistens, weil ich mir da noch nicht genug vertraue. Wahrscheinlich müsste es "immer" heißen. Manchmal kann ich Geschehnisse vorhersehen. Keine großen Prophezeihungen, aber so kleine Dinge.

Das Ganze überschneidet sich mit meiner sensorischen Empfindsamkeit, die je nach Tagesform mal mehr mal weniger ausgeprägt ist. Lärm, stickige Luft mit schlechten Gerüchen, Hektik und zuviel Trubel um mich herum finde ich sehr anstrengend. Trotzdem war ich zweimal auf einem Rock-Festival. Wie geht das zusammen? Erstens war es ein sehr kleines, überschaubares Festival. Zweitens hatten wir nach dem ersten Besuch aus unseren Fehlern gelernt und uns ein Hotelzimmer genommen, statt auf dem Zeltplatz zu schlafen. Drittens durften wir Dank eines Freundes in den Backstage-Bereich, wo deutlich mehr Bewegungsfreiheit herrschte. Meine Freundin trug Ohrstöpsel. Falls wir doch mal vor der Bühne landeten, dann grundsätzlich am Seitenrand nahe der Fluchtwege. Rock und Heavy Metal ist für mich übrigens Musik. Zumindest von den Bands, die ich höre. Den Rest würde ich auch eher als Lärm bezeichnen. Es braucht eine wiedererkennbare Melodie und eine angenehme Stimme, damit es Musik ist.

In komplexen Zusammenhängen denken liegt mir wohl auch. Das geht dann aber so schnell kreuz und quer durch mein Hirn, dass ich das nicht so in Worte fassen kann, dass mich jemand versteht. Innerhalb kurzer Zeit kann ich mir auf eigene Faust neues Wissen aneignen und auf meine persönlichen Bedürfnisse zurecht schneidern, so dass ich es anwenden kann.

Von Scannern und High Sensation Seekern weiß ich erst seit Kurzem. Ich habe mich immer schon gefragt, warum ich so viele verschiedene Interessen habe und nie sehr lange bei einer Sache bleiben kann. In einem Sportverein halte ich es höchstens 2 Jahre aus. Dann verlässt mich die Motivation. Was meine Berufswahl angeht, habe ich ja schon erzählt, wie schwierig das für mich war und immer noch ist. Pferdewirtin? Germanistik studieren und Schriftstellerin werden? Ein Praktikum als Bauzeichnerin mal eben zwischengeschoben. Psychologie ist mir zu lang, also doch lieber Sozialarbeit. Hätte ich Tierpflegerin werden sollen? Oder Webdesignerin? Fotografin? Ein einziges Leben ist zu kurz für so viele Interessen, die so gar nichts miteinander zu tun haben. Jetzt weiß ich, dass ich ein Scanner bin: multipassioniert und vielbegabt. Denn egal, was ich mache, ich werde zwar kein Meister, weil ich nie lange genug dabei bin (und das ärgert mich am meisten), aber es gab bisher nichts, bei dem ich mich total blöd angestellt hätte. Meinen eigenen Ansprüchen genüge ich aber selten.

Daraus ergibt sich also ein introvertierter Scanner mit Schwerpunkt auf emotionaler Sensibilität, Neigung zu komplexem Denken und gelegentlicher sensorischer Empfindsamkeit.

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