Sonntag, 5. Juli 2015

Rhythmustherapie - TaKeTina rocks!


Bei meinem ersten Klinikaufenthalt im Winter 2012 durfte ich an der Rhythmustherapie - auch TaKeTina genannt - teilnehmen. Dabei handelt es sich um das Erleben archetypischer Rhythmen, die dazu verhelfen, loszulassen und in einen "Flow" zu kommen. Es geht darum, seine Verhaltensmuster im Umgang mit Chaos und Ordnung zu erfahren. In der Mitte stehen 2 Therapeuten. Einer gibt mit der großen Trommel und Schellen an den Füßen den Rhythmus an. Der zweite spricht  Silben vor wie z.B. Ta Ke Tina. Die im Kreis stehende Gruppe spricht die Silben mit. Anschließend werden zuerst Schritte und dann Klatschen auf bestimmte Silben eingefügt. Hat sich der Rhythmus im Bewußtsein verankert, singt der Therapeut neue Silben, auf die die Gruppe antwortet, so dass ein wechselseitiges Singen entsteht. An dieser Stelle kommt auch ein Instrument namens Berimbau zum Einsatz, welches wie ein Bogen aussieht.

Während man den Rhythmus nach und nach erlernt, versucht der Therapeut, die Teilnehmer absichtlich aus dem Konzept zu bringen. So erlebt man, wie es ist, aus dem Rhythmus zu fallen, und wie man wieder hinein findet. Oft waren es aber auch die Nachbarn, die durch falsches Klatschen alles durcheinander brachten. Falsch gibt es im TaKeTina allerdings nicht. Nur Lernen und Erleben. Das Geheimnis ist, dass man nicht denken darf. Sobald man denkt "Welcher Schritt kommt jetzt?", ist es vorbei. Der Körper muss dem Rhythmus "von allein" folgen (Flow).

Beim ersten Mal dachte ich: Was für eine Kindergartenkacke! Wo bitte ist der therapeutische Nutzen? Okay, ich fühlte mich nach anderthalb Stunden wohlig entspannt und belebt. Meine Zellen vibrierten, und mein Kopf war frei. Für mich war TaKeTina eine Art Bewegungsmeditation. Beim bloßen Sitzen fällt es mir schwer, nicht zu denken. Die verschiedenen Rhythmusebenen lassen Gedanken überhaupt nicht zu. Sie öffnen ein stilles Bewußtsein und lassen alles fließen. Anders kann ich es nicht erklären. Aus dem Rhythmus zu fallen, machte mir als Perfektionistin komischerweise nichts aus. Denn ich wusste, das soll hier sogar so sein. Andere fingen an zu weinen oder brachen regelrecht zusammen. Außerdem war es erlaubt, sich zwischendurch in die Mitte zu legen und eine Pause zu machen. Es blieb jedem selbst überlassen, wieder aufzustehen und sich in Kreis und Rhythmus einzufügen oder liegen zu bleiben. Ebenso war es erlaubt, aus der Reihe zu tanzen und eigene Schritte zu erfinden, wenn einem danach war.

Was mich die Rhythmustherapie gelehrt hat, wurde mir erst viel später bewusst. Lange nach dem Klinikaufenthalt musste ich immer wieder daran denken. Mir fielen mehr und mehr Parallelen zum Leben und meinen Verhaltensmustern auf. In der Realität nervt es mich schon, wenn ich aus dem Rhythmus falle und planlos daneben stehe. Besonders fiel mir jedoch ein ganz bestimmtes Muster auf: Während der Therapie machte ich immer bis zur Erschöpfung mit und legte ich mich dann bis zum Ende in die Mitte. Mir kam es nicht einmal in den Sinn, früher eine Pause einzulegen und wieder aufzustehen. Nach dem Motto "Ich habe alles gegeben, und jetzt mach ich nichts mehr". Genauso handle ich im wahren Leben. Die Frage ist nicht, ob das falsch ist, sondern ob mir dieses Verhalten dient. Und was passieren würde, wenn ich etwas anderes ausprobiere. Vielleicht wäre das nicht unbedingt besser. Aber einen Versuch ist es wert. Und ganz wichtig: Nicht auf die anderen schauen! Sich mit anderen Menschen zu vergleichen versaut den eigenen Groove.

Einmal hat es mir doch die Tränen in die Augen getrieben. Vor der eigentlichen Rhythmustherapie machten wir eine andere Übung. Wir standen im Kreis und hielten uns an den Händen. Der Therapeut gab per Händedruck und Stimmsignal einen Impuls ab, der weitergegeben werden sollte. Bei Go ging der Impuls nach links, bei Hey nach rechts. Irgendwann entstand daraus ein totales Chaos. GoGo, HeyHey von allen Seiten und gleichzeitig. Ich war komplett überfordert von dieser Hektik und fühlte mich zu vielen Erwartungen ausgesetzt. Die anderen hatten voll Spaß und lachten. Ich fing an zu weinen und dachte nur noch "Lasst mich doch alle in Ruhe!". Die Lösung? Hände meiner Nachbarn zusammenlegen, einen Schritt nach hinten machen - aus die Maus.

TaKeTina ist für mich eine großartige Methode, Körper und Bewußtsein eins werden zu lassen und sich auf eine ganz neue - ursprüngliche - Art zu spüren. Wer Probleme damit hat, seinen Gedankenstrom auszuschalten und loszulassen, ist in der Rhythmustherapie bestens aufgehoben.

Bild: Pixabay

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Dare to kommentär!