Donnerstag, 18. Dezember 2014

Täter und ihre Komplizen


Gestern Abend lief "Lemony Snicket - Rätselhafte Ereignisse" im Fernsehen. Der Film ist etwas schräg, aber gut gemacht und mit Jim Carrey als Bösewicht und Meryl Streep hervorragend besetzt. Es geht um drei Waisenkinder, die von Vormund zu Vormund geschleppt werden. Graf Olaf (Jim Carrey) ist auf das Erbe der Kinder aus und setzt alles daran, sein Ziel zu erreichen. Seine Mittel sind Mord und Manipulation. Letzteres fällt ihm als Theaterschauspieler (sein Beruf im Film) nicht gerade schwer. Es wird schnell deutlich, dass er ein Narzisst ist. Und es gelingt ihm immer wieder, die Menschen zu blenden und für sich zu begeistern. Nur die Kinder durchschauen ihn von Anfang an, finden bei den anderen Erwachsenen aber kein Gehör.

Durch Zusammenhalt und äußerst intelligentem Erfindungsgeist finden die Kinder stets einen Ausweg aus ihrer misslichen Lage. Als zum Schluss die Machenschaften des Grafen Olaf endlich ans Licht kommen, fällt es allen wie Schuppen von den Augen. Diese Szene hat mich dazu bewogen, hier über den Film zu schreiben. Denn bis dahin war er für mich nur nettes Popcorn-Kino.

Graf Olaf erfährt, dass er das Geld nur erhält, wenn den Kindern nichts passiert. Seine Beseitigungspläne muss er also aufgeben und sich etwas Neues einfallen lassen. Laut Gesetz fällt ihm das Erbe beim Ableben der Ehepartnerin zu. Statt noch vier Jahre bis zur Volljährigkeit der ältesten Schwester warten und sich solange mit den lästigen Bälgern herumschlagen zu müssen, beschließt er, das Mädchen in einem Theaterstück zu heiraten. Durch das Mitwirken einer echten Richterin soll die Eheschließung - obwohl inszeniert - rechtsgültig werden. Den Kindern gelingt es in letzter Sekunde, den Schurken auffliegen zu lassen. Das gesamte Publikum ist entsetzt. "Sie sind ein Monstrum!" sagt Mr. Poe, Bankier, Freund der verstorbenen Eltern und Verwalter des Vermögens der Kinder. "Ihr seid selbst das Monstrum", entgegnet Graf Olaf. "Ihr habt den Kindern nie zugehört oder ihnen geglaubt und euch damit zu meinen Komplizen gemacht."

Und tatsächlich: wann immer die Kinder versuchen, den Erwachsenen etwas zu sagen, werden sie unterbrochen, beiseite geschoben oder sogar ausgeschimpft. Sie sind völlig auf sich allein gestellt. Man fragt sich manchmal, wer eigentlich die Erwachsenen sind. Die Kinder werden von einem Verrückten zum nächsten geschickt, geschlagen, eingeschüchtert, versklavt, eingesperrt und unter Bedrohung ihres Lebens verfolgt. Selbst die Menschen, die es gut mit ihnen meinen und die besten Absichten haben, lassen sich von dem Narzissten täuschen und halten die Kinder mit ihren Aussagen für verrückt. Das ist entsetzlich traurig. Vielleicht klingt es hart, aber es ist wohl so, dass jeder, der Kindern in Not nicht zuhört und glaubt, sich zum Komplizen und damit zum Mittäter macht. Irgendwann resignieren die Kinder ("Mir glaubt ja doch keiner.") - bis sie sich selbst nicht mehr glauben.

Bild: Pixabay

Lemony Snicket - Rätselhafte Ereignisse

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