Dienstag, 25. November 2014

Passierschein A38


Behördengänge und Papierkram braucht der Mensch so dringend wie eine Seuche. Jeder ist davon genervt. Wie geht es aber Depressiven und Angstkranken damit?

Seit 2 Monaten versuche ich, meine Papiere und damit mein Einkommen zu regeln. Eine Sisiphosangelegenheit. Da ich Behördengänge hasse, erledige ich sie lieber sofort in der Hoffnung, "es" dann hinter mir zu haben. Pustekuchen!

Dame in der Gewerkschaft: "Diese Bescheinigung ist nicht richtig ausgefüllt. Damit müssen Sie nochmal zu Ihrem letzten Arbeitgeber. Kommen Sie dann bitte so schnell wie möglich zurück, sonst verstreicht die Frist." Großartig.

Dame in der Krankenkasse: "Ich brauche einen Beleg von Ihrem Einkommen im Oktober."
Ich: "Da habe ich ja noch gar nichts von der Krankenkasse bekommen."
Dame in der Krankenkasse: "Ach so, stimmt, wir warten ja noch auf den Bescheid von Brüssel. Dann kann ich diese Papiere aber nicht ausfüllen."
Ich: "In der ersten Oktoberwoche habe ich wohl Arbeitslosengeld bezogen."
Dame in der Krankenkasse: "Ah! Da müssten Sie einen Beleg besorgen."
Ich: *seufz*
Zweite Dame in der Krankenkasse: "Wie kann man denn Arbeitslosengeld beziehen UND krank sein?"
Mich eigentlich bedienende Dame: "Blabla... (versucht ihrer Kollegin den Sachverhalt zu erklären, während mir das Herz immer tiefer in die Hose rutscht und ich gleichzeitig aggressiv werde). Also, warten Sie mal den Bescheid von Brüssel ab. Dann melden Sie sich wieder. Gegebenenfalls erneuern wir die Anfrage auf erhöhte Invalidenrente im Dezember. Dann brauche ich wohl neue Belege von November."
Ich innerlich: "AAAAAAHHHHHHH!!!!!!!"
Das war das dritte Mal, das ich mit diesen Papieren aufgelaufen bin. Und ich kann sie immer noch nicht abgeben. Weil mein Antrag auf Invalidenrente in Brüssel in irgendeiner Schublade vergammelt, was bedeutet, dass ich seit einem Monat ohne Geld bin.

Dafür, dass ich Existenz- und Versorgungsängste habe, schlage ich mich noch recht tapfer. Es war bisher auch niemand unfreundlich zu mir in den Ämtern. Das darf ich wirklich nicht behaupten! Sowas kann aber jederzeit passieren und wäre nicht das erste Mal in meinem Leben. Leider erstarre ich dann immer und schaffe es nicht, mich zu wehren. Und die Angst davor, dass mir irgend jemand eines Tages den Geldhahn abdreht, weil ich schlecht beraten wurde oder meine Papiere nicht in Ordnung sind, begleitet mich ständig. Vor jedem Termin dieser Art geht es mir eine Woche lang zunehmend schlechter. Danach brauche ich einen Tag Erholung. Angst und Stress brauchen schließlich sehr viel Energie. Wenn dann die (meistens) Damen in solchen Ämtern auch noch anfangen, laut zu denken und sich gegenseitig in den Kram zu reden, verunsichert mich das komplett. Die haben natürlich nur ihre bürokratischen Richtlinien im Kopf und gehen völlig emotionslos an die Sache ran. Gegenüber von ihrem Schreibtisch sitzt aber ein verängstigter und angespannter Mensch, der um seine Existenz fürchtet. Sind diese Leute jetzt deswegen unempathisch? Ich weiß es nicht; sie machen ja nur ihre Arbeit und sind keine Therapeuten sondern Sachbearbeiter. Gerade in einer Krankenkasse wäre jedoch vielleicht eine Sensibilisierung nötig. Ich kann doch nicht die Einzige sein, die das alles mehr als anstrengend findet und sich hinterher nicht zwischen Baldrian und Nikotin entscheiden kann.

Besonders lustig war es an dem Tag, als ich mich rückfällig gemeldet habe. 3 Mitarbeiterinnen befassten sich mit meinem Fall.
"Ihr Mann ist aber nicht hier versichert?"
"Doch, doch."
"Wohnen Sie denn zusammen?"
"Natürlich!"
"Und der ist auch bei Ihnen gemeldet?"
"Äh... ja?"
"Dann hat unser System das wohl noch nicht erfasst. Es ist nämlich so... blabla... Es sei denn, Sie würden Ihren Mann nicht als Ihren Lebensgefährten anerkennen."
"??????"
Bürokratisches Fachchinesisch. Bitte, liebe Sachbearbeiter sämtlicher Behörden! Verschont uns damit! Manche können vielleicht darüber lachen. Anderen macht das Angst.

Passierschein A38. Asterix und Obelix müssen in "Asterix erobert Rom" mehrere Aufgaben erfüllen. Eine davon ist, den Passierschein A38 im Haus, das Verrückte macht, zu besorgen. Klingt einfach? Fehlanzeige! Es ist nur ein Comic. Aber erschreckend nah an der Realität.

Bild: Pixabay

Kommentare:

  1. Haha - das allerbeste an dem Ganzen ist dann doch tatsächlich die Wendung, indem sie nach einem Passierschein fragen, den es gar nicht gibt!!!!! :-)

    Hm - wie lässt sich das wiederum in die Realität umsetzen? ;-)

    Liebe Grüße,
    Julia

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    1. Das wäre mal ein lustiges Experiment!

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