Dienstag, 28. Oktober 2014

Lächeln


Mein Mann und ich brachten unsere Pferde auf die Wiese. Hinter mir hörte ich eine Gruppe Spaziergänger reden und lachen. "Schau mal! Der hat weiße Ohren." Sekunden später ein gerufenes "Entschuldigung?" Ich wusste es! Die quatschen uns an! Die Dame mit kurzen, gebleichten Haaren, dicker Schminke im Gesicht und dem pinken Jogginganzug à la Cindy aus Marzahn war mir gleich unangenehm. "Was sind das für Pferde?" Och, nee! Soll ich jetzt einen Vortrag halten? Verunsichert und leicht genervt sagte ich: "Öhm, Pferde halt." Die Frau brach in schallendes Gelächter aus, trat ganz nah an mich heran und legte ihre Hand in meinen Rücken. "Herrlich! Pferde halt!" Ich lächelte. Wie ich es immer tue. Ich will schließlich nicht unhöflich sein. So wurde ich erzogen. Lieber die eigenen Grenzen missachten, als einen anderen Menschen verletzen. Meinem Mann macht sowas nichts aus. Der wird in solchen Momenten zu einer Art Tourguide. "Also das ist ein Criollo aus Argentinien, das ist ein Araber, da hinten steht ein Isländer..."

Im Grunde ist nichts Schlimmes passiert. Eine völlig normale und harmlose Situation. Da ich gelächelt hatte, spürte ich die Hand gleich ein zweites Mal im Rücken. Ich konnte der Dame gar nicht in die Augen schauen. Dabei habe ich kein grundsätzliches Problem mit Körperkontakt. Bei Fremden mag ich es aber überhaupt nicht. Zumal es völlig unnötig war. Wäre ich gestolpert, und man hätte mich am Arm gepackt, um mich aufzufangen, fände ich das absolut in Ordnung. So habe ich es jedoch als Grenzüberschreitung empfunden. Und gelächelt.

Das hat mich hinterher am meisten gefuchst. Warum schaffe ich es (noch) nicht, mich der Berührung zu entziehen? Oder zumindest das Lächeln zu lassen? Ich muss ja nicht gleich sagen: "Fassen Sie mich bitte nicht an! Wir kennen uns überhaupt nicht!" Aber egal, was ich machen würde, um Grenzen zu setzen, es würde verständnislose Reaktionen nach sich ziehen. Weil es für die Allgemeinheit nunmal schwer nachzuvollziehen ist. Was wiederum ich nicht verstehe. Am Ende bin ich wieder die Komische.

Bild: Pixabay

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