Freitag, 17. Oktober 2014

Erfolgsstorys von Menschen, die ihre Depressionen überwunden haben?


Sowas lese und höre ich immer wieder. Es klingt so toll! Wie das Happy End einer Hollywoodromanze. Wie es nach der Hochzeit weiter geht, will schließlich keiner so genau wissen. Ebenso wenig mag man von Rückfällen hören bzw. erzählen, dass Menschen, die es für eine Zeit geschafft haben, wieder ins Dunkel verschwunden sind - und möglicherweise ein weiteres Mal hinaus finden.

Wie gern würde ich auch von mir berichten, dass ich meine depressive Phase überwunden habe - Moment, das habe ich meinem Hausarzt erzählt, pfff... Egal. Wie schön wäre es, von meinem neuen glücklichen Leben sprechen zu können. Neuanfänge starten mit Vorliebe holprig und wirken wie ein Scheitern. Sie ziehen sich wie Kaugummi in die Länge. Man lernt in der Therapie, wieder Träume und Ziele zu entwickeln. Und dann kommt die Realtität, dieses Arschloch!

"Ist deine Frau jetzt geheilt?"
"Da gibt es keine Heilung. Entweder man entscheidet sich fürs Leben und lernt, damit umzugehen, oder man nimmt sich den Strick."
"Das kannst du doch so nicht sagen!"
"Es ist aber die Wahrheit."

Mein Mann! Ein Original. Ohne Umschweife in your face! Dafür liebe ich ihn. Denn meine Depression hat sich chronifiziert weil zu spät erkannt und behandelt. Hänge ich jetzt auf ewig in den Seilen? Nein, natürlich nicht. Ich will (immer noch) leben. Und auch wenn es mir gerade nicht so gut geht, spüre ich eine Veränderung. Vor ein paar Monaten sahen einige Dinge wesentlich düsterer aus. Tatsächlich kann ich sagen, dass ich mich aus dem depressiven In-der-Vergangenheit-herumwühlen zum ängstlichen Was-passiert-wohl-in-der-Zukunft entwickelt habe. Ist das jetzt besser? Keine Ahnung. Mein Rücken sagt Nein. Aber es fällt mir tatsächlich leichter, mich von Zukunftsängsten abzulenken, als aus dem traurigen Vergangenheitssumpf herauszurobben. Außerdem bekomme ich die Rückmeldung von Menschen, die mich recht gut kennen aber schon länger nicht mehr gesehen haben, dass ich lebendiger wirke.

Das Leben ist kein langer ruhiger Fluss. Erfolgsgeschichten verlaufen selten bis gar nicht geradlinig und ohne Stolpersteine und Rückschläge. Von Nirvana wollte zu Beginn kein Plattenlabel was wissen. Sie haben Demos verschickt und nicht mal Antworten bekommen. Heute rockt jeder zu Smells Like Teen Spirit. Das einzig Beständige ist die Veränderung, heißt es. Ich habe mir oft gewünscht, endlich anzukommen, wusste aber nie, wo das sein soll. Vielleicht liegt mein Ankommen in der Reise. Und es gibt sie, die Menschen, die ihren eigenen Weg gefunden haben und sich seitdem "geheilt" fühlen (im Sinne von abgespaltene Anteile integriert, Wunden liebevoll angenommen - also verletzt und unversehrt zugleich).

Bild: Pixabay

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