Donnerstag, 23. Oktober 2014

5 Rhythmen Wave und Realismus

Was mir in der Klinik besonders gut getan hat, war die Bewegungstherapie. Heiligenfeld legt zwar u.a. großen Wert auf die Wirkung der Meditation, jedoch muss ich gestehen, dass mir als notorischer Kopfmensch das Sitzen in Stille oft schwer fällt. Manchmal geht es mir hinterher sogar schlechter. Wenn ich mit meiner Hirnleistung - gemessen an der Quantität - Geld verdienen könnte, wäre ich Millionär. Die Verspannungen, die dadurch entstehen, lösen sich am besten mit Bewegung. Die ideale Kombination ist deshalb für mich eine Bewegungsmeditation. Die Muskeln werden lockerer, und mein Kopf lässt sich besser ausschalten.

Eine Möglichkeit ist der 5 Rhythmen Wave, den ich dieses Mal in der Klinik kennenlernen durfte. Mit der passenden Musik unterstützt tanzt man durch 5 verschiedene Energien, die wie Wellen ineinander übergehen. Man beginnt mit dem Flowing, der weichen, weiblichen Energie. Ich war überrascht, wie leicht mir die fließenden Bewegungen fielen, hatte ich doch immer geglaubt, meine weiche Seite wäre mein größtes Problem. Anschließend folgt das Staccato, die männliche Energie. Durch Stampfen und zielgerichtetes Tanzen drückt man seinen Standpunkt aus. Der dritte Rhythmus ist das Chaos, der das Weiche und das Harte vereint. Spätestens jetzt lässt man los, und der Körper wählt seine Bewegungen wie von selbst. Im Lyrical zeigt sich unsere leichte, verspielte und kindliche Seite. Da passierte bei mir jedes Mal - gar nichts. Ich denke, das Wort "kindlich" verursachte in mir einen Widerstand. Diesen Anteil habe ich zu lange unterdrückt. Die Wave schließt mit Stillness, der spirituellen Energie. Man ist ganz bei sich, nimmt seinen Körper bewusst wahr und braucht nur noch zu sein. Die Bewegungen werden immer langsamer. Wer mag, kann eine neue Wave beginnen.

Diese Bewegungsmeditation vereint Körper, Herz, Verstand, Seele und Geist. Sie zeigt uns, wo unser Energielevel steht, deckt Blockaden auf und führt sanft hindurch. Sie wirkt befreiend und belebend. Außerdem gerät man ganz schön ins Schwitzen. Für zu Hause habe ich mir eine eigene 5-Rhythmen-CD zusammengestellt. Allerdings denke ich, dass man stabil sein und sich steuern können sollte, wenn man das allein und ohne therapeutische Unterstützung macht. Es können durchaus emotionale Prozesse in Gang kommen.

Heute Morgen fing ich beim Staccato das Heulen an. Bei meinem Versuch, mir ein neues Leben zu gestalten, werde ich von Behörden immer wieder darauf hingewiesen, dass ich realistisch sein müsse. Ausgerechnet ich! Ich bin derart realistisch, dass ich schon eher pessimistisch bin. In der Therapie wird man dazu ermuntert, neue Dinge auszuprobieren, an sich zu glauben und um die Ecke zu denken. Außerhalb wird man dann für einen verrückten Träumer gehalten. In den Medien gibt es aber so viele Berichte und Dokumentationen über Menschen, die all die scheinbar abwegigen Lebenswege einfach gehen. "Ach, das wäre ja so schön!" jammern die Kleindenker neidisch und frustriert, um am nächsten Tag wieder dem gewohnten Trott im Büro nachzugehen, wo sie ihren Klienten nahelegen, bitte realistisch zu sein. Da soll es mir nicht schwer fallen, meinen Standpunkt beharrlich zu vertreten, statt meinen verinnerlichten Glaubenssätzen zu verfallen!

Überraschenderweise tanzte ich im vierten Rhythmus wie ein Schmetterling durchs Wohnzimmer. Nicht Kindlichkeit, sondern Leichtigkeit ist das Wort, das mich beflügelt. Am Ende ist es nur ein Wort. Aber Wörter haben Macht und Wirkung. Sei realistisch? Nein! Dare to be mad!

Bild: Pixabay

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