Samstag, 16. August 2014

Allem Anfang wohnt ein Zauber inne...


... behauptet Rilke. Ich habe immer nur den Spruch gehört "Aller Anfang ist schwer.", und so kommt es mir auch immer wieder vor. Vielleicht ist auch das nur eine Frage der Einstellung.

Seit ich wieder zu Hause bin, bewegt sich in meinem Inneren so Einiges. Alte Muster sind viel schneller entlarvt, und mein Widerstand ist ausnahmsweise mal auf meiner Seite. Er boykottiert die alten Muster, die natürlich noch nicht ganz weg sind, aber viel weniger Macht über mich haben. Auch meine diversen Ängste sind kleiner geworden. Und immer noch frage ich mich zwischendurch, ob das alles nicht zu schön ist, um wahr zu sein. Nach über zwei Jahren tiefer Lebenskrise und depressiver Episode fühlt sich soviel Hoffnung und Optimismus wohl einfach noch fremd an.

Ein Muster wirkt allerdings weiterhin: Kaum fühle ich mich besser, renne ich auch gleich los und wundere mich dann über baldige Erschöpfung. Doch auch das konnte ich erkennen, woraufhin ich mir selbst eine Zwangspause auferlegt hab. Naja, vorher hat mein Körper dafür gesorgt. Seit anderthalb Wochen kränkel ich vor mich hin. 10 Wochen aufdeckende Körpertherapie sind halt anstrengend.

Von welchem Anfang aber spreche ich denn nun genau? Nach totalem beruflichem Desorientierungsvakuum entstand endlich eine Idee. Gut, die Idee war nicht wirklich neu, wurde aber immer wieder von pessimistischen Gedanken verscheucht. Anstatt mich nur in meinem Hirn damit zu beschäftigen, habe ich mich diesmal bewegt, mir eine Ausbildungsstelle angesehen und mit den Dozenten gesprochen, um zu überprüfen, ob meine Idee realistisch ist. Und sie ist es! Große Euphorie! Aus einer Idee wird ein Plan.

Nach der Beantwortung des Was kommt nun die Frage nach dem Wie. Es folgten wildes Rumtelefonieren mit verschiedenen Ämtern, ein äußerst demotivierendes Gespräch bei der Krankenkasse und zwei Wutanfälle. Man sollte meinen, dass Vater (!) Staat sich freut, wenn man endlich wieder starten will und sich selbst eine Perspektive geschaffen hat. Nix davon! Es ist wirklich verrückt. Da glaubt man, sich von den Eltern frei gemacht zu haben, und findet einen mehr als würdigen Ersatz bei den Behörden. Ich habe schon einmal den Fehler gemacht, mir von meinen Eltern meine Berufswünsche miesreden zu lassen mit dem Ergebnis, dass ich etwas gelernt habe, das ich nie wollte, und völlig unglücklich in meinem Job war. Und das von Anfang an, wenn ich mal wirklich ehrlich zu mir selbst bin.

Für mich gab es genau zwei Möglichkeiten. Entweder ich reagiere depressiv passiv nach dem Motto "Das passiert mir einfach, und ich kann nichts dagegen tun." oder ich steige aus der Opferrolle aus und nehme mein Leben selbst in die Hand. Das hat natürlich Konsequenzen, mit denen ich leben muss. Aber ich sehe überhaupt nicht ein, warum ich eine Umschulung 7 Monate nach hinten verschieben soll, nur weil die Mühlen der Krankenkasse so langsam mahlen. Vor einem Jahr wurde ich total unter Druck gesetzt, und man drohte mir mit Geldsperre. Jetzt sagt man mir "Ausbildung ab Oktober können Sie vergessen. Die fängt im April ja nochmal an." Was weiß ich, was bis April 2015 noch alles passiert.

Wie sagte eine Therapeutin in der Klinik: Wenn es keinen Weg gibt, dann mache ich mir einen. Alle sprechen davon, man solle seinen Traum leben. Dass das manchmal oder vielleicht sogar oft eine Menge Ärger, Frustration und Einsatz bedeutet, steht ganz klein gedruckt darunter. Und dennoch - es fühlt sich so lebendig an!

Bild: Pixabay

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