Freitag, 11. April 2014

Meine Depressionen leiden jetzt unter mir


Dieser Satz stammt von Torsten Sträter, der in untenstehendem Video seine Geschichte mit Depressionen sehr unterhaltsam erzählt. Besonders witzig finde ich den Teil über Antidepressiva.

Ich werde oft gefragt, warum ich keine Medikamente nehme. Ich habe ein Problem damit. Natürlich gibt es Menschen, die ohne Psychopharmaka nicht auskommen und sehr zufrieden mit ihrer Medikation sind. Ich will das hier gar nicht propagieren, dass man keine Antidepressiva nehmen sollte. In gewissen Situationen ist es wohl nötig. Mein Weg ist das aber nicht. Sie mögen Symptome lindern und den Leidenden lebens- und therapiefähig machen. Aber die Ursachen bleiben unberührt. Ob mit oder ohne - meiner Meinung nach kommt man an einer Therapie nicht vorbei. Eine lustige Pille schlucken, und dann ist alles wieder gut? Klingt sehr verlockend. Erscheint mir jedoch unrealistisch. Grundsätzlich raten Fachärzte normalerweise zu einer Gesprächstherapie und einer eventuellen Medikation als begleitende Maßnahme.

Für mich persönlich fühlt sich das nach einem schnellen Wegwischen an. Hauptsache, man funktioniert wieder! Die Signale der Seele werden weiterhin überhört und plattgewalzt. Hinzu kommt in meinem speziellen Fall, dass ich Angst vor Manipulation und Kontrolle habe. Etwas dringt in mich ein, schraubt an mir rum, damit ich wieder einer Norm entspreche, die nicht meine ist. Das klingt jetzt schräg. Aber das Einnehmen von Antidepressiva rührt an mein Mutterthema und triggert mich. Ich will nicht fremdgesteuert funktionieren. Ich will selbstbestimmt leben! Und ich will wissen, was ich fühle. Auch wenn es weh tut. Ich will die Wahrheit und nicht wieder alles verdecken. Manche Menschen verstehen nicht, warum ich nicht einfach was nehme und stattdessen in ihren Augen in alten Klamotten rumwühle. "Das macht es doch nur schlimmer!" Mag zwischendurch so aussehen. Fühlt sich auch manchmal so an. Unterm Strich kann ich das jedoch nicht bestätigen.

Ich habe es einmal mit Antidepressiva versucht, weil ich dachte, es ginge doch nicht ohne. Selten so beschissen gefühlt! Ich sollte die Tablette abends einnehmen, um besser einschlafen zu können. Tagsüber sollte das Medikament antriebsfördernd wirken. Leider war es umgekehrt. Ich habe mich nervös im Bett hin- und hergeworfen und kroch am späten Morgen total gerädert aus den Federn. Anschließend bin ich zum ersten Mal wirklich grundlos heulend unter der Dusche zusammengebrochen. Gegen Mittag setzte dann die versprochene sedierende Wirkung ein, so dass ich den Rest des Tages scheintot auf dem Sofa verbrachte. Ich habe mich vollkommen fremd in mir gefühlt.  Zwar brauchen Antidepressiva mindestens 2 Wochen, um ihre Wirkung zu entfalten. Aber diesen ekelhaften Zustand hätte ich so lange nicht durchgehalten. Tatsächlich steht in den Nebenwirkungen eine mögliche Verschlimmerung der Depression bis hin zum Suizid. Na, vielen Dank auch!

Was meinen Zustand in den letzten Wochen erklärt, wurde vor einigen Tagen festgestellt: Schilddrüsenunterfunktion! Ich lebe seit 19 Jahren mit Hashimoto - einer autoimmunen Schilddrüsenerkrankung. Die Einstellung mit Thyroxin ist nicht so einfach. Der Hormonbedarf kann sich plötzlich verändern. Dann stimmt die Dosis nicht mehr. Nach ein paar Tagen erhöhter Thyroxineinnahme fühlte ich bereits eine Verbesserung meiner Stimmungslage und der allgemeinen körperlichen Kraft. Nun kann ich aber seit 6 Tagen nicht mehr schlafen und fühle mich wieder zittrig. Es scheint, als sei ich nun in eine Überfunktion gerutscht. Tricky! Also nehme ich wieder etwas weniger und hoffe, dass sich die Werte bei der nächsten Kontrolle eingependelt haben.

Gestern kam übrigens der Anruf der Fachklinik Heiligenfeld. Anfang Januar hatte ich den Antrag auf erneute Auffnahme gestellt. Am 23. April ist Stichtag. Dann werde ich voraussichtlich für 6-8 Wochen dort sein und eine Blog-Pause einlegen.

Bild: Pixabay

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