Donnerstag, 13. März 2014

Der innere Kritiker aka Saboteur aka Zerstörer


Jeder kennt bestimmt diese innere Stimme, die ganz gemeine Dinge über ihn sagt, ihn beschimpft oder auslacht. Manchmal platzt es sogar aus einem heraus, und man bezeichnet sich selbst laut als Idiot oder Schlimmeres. Weil man sich so sehr über sich und seine gelegentlichen Missgeschicke ärgert. Und oft ist es einem gar nicht bewusst, dass man so lieblos mit sich umgeht. In dem Post "Meine Wut erschreckt mich" vom 9. Dezember 2013 habe ich bereits davon erzählt.

Wie ist diese Stimme aber in meinen Kopf gekommen? Wem gehört sie wirklich? Und wie weit kann sowas gehen?

In einer Therapiestunde durfte ich diesen inneren Anteil, der mich nahezu lähmt, aus mir heraus aufs Sofa setzen. Sogleich grinste er mich hämisch an. Auf die Frage meiner Therapeutin, wie alt er sei, konnte ich nur sagen "mindestens so alt wie ich - auf keinen Fall jünger". Sie war davon überzeugt, dass er sehr viel älter sein müsse. Sicher habe ich einige demotivierende Sätze von meiner Familie und auch außerhalb gehört. Leider sind sie bei mir auf fruchtbaren Boden - von meinen Eltern eifrig gepflegt - gefallen. Und ich weiß, dass sie ihrerseits von ihren Eltern niedergemacht wurden. Meine Urgroßmutter mütterlicherseits soll eine ganz gehässige Person gewesen sein. Da habe ich wohl ein ziemlich altes Familienerbstück abgestaubt. Ein Erbe darf man aber auch ausschlagen, oder?

Diese innere Stimme mag bei jedem unterschiedlich wirksam und mächtig sein. Mein innerer Kritiker verdient schon eher den Titel Saboteur oder Zerstörer. Er lässt echt kein gutes Haar an mir. Kaum möchte ich z.B. ein Bild malen oder mich auf mein Pferd setzen, redet er auf mich ein: "Das wird sowieso scheiße! Du kannst das doch gar nicht! Dein Gaul verarscht dich nur, und du hast den gar nicht im Griff. Der wäre mit einem anderen Reiter besser dran." Und so weiter, und so weiter... Meistens lasse ich von meinem Vorhaben ab aus Angst, mir hinterher anhören zu müssen: "Siehste!" Und dazu dieses fiese Grinsen! Stimme und Gesicht wechseln je nachdem, von wem ich derartige Sätze mal gehört habe. Manchmal kann ich das auch nicht zuordnen. Weil ich es nicht ertrage, beim Scheitern von realen Menschen ausgelacht zu werden, fange ich erst gar nicht an.

Therapeuten verweisen an dieser Stelle gerne auf die begründete und die unbegründete Angst. Klar passiert es oft nicht, dass ich ausgelacht werde. Aber manchmal eben schon. Deshalb finde ich meine Angst äußerst begründet.

Wenn mir etwas gelingt, ist immer gleich jemand in meinem Kopf zur Stelle, der es besser weiß und kann. "Naja, so toll ist das nun auch wieder nicht. Das und das kannst du aber nicht." Toll. Erfolgserlebnis gesprengt. Und falls ich es tatsächlich schaffe, ihn zum Schweigen zu bringen, und gerade loslegen will, kommt die alles zerstörende Frage: "Und wozu soll das gut sein?"

Diesen Mist nennt man in der Therapie Täterintrojekt. Positiv denken ist ein gut gemeinter Ratschlag, der sicherlich auch irgendwo seine Richtigkeit haben mag. Aber ganz so einfach ist das leider nicht. Derart tief verankerte Glaubenssätze und damit verbundene Gefühle und Handlungsmuster, die zudem durch Wiederholungen traumatisierender Erfahrungen (oft unbewusst selbst herbeigeführt) stetig Nahrung und Bestätigung erhalten, lassen sich nicht ohne Weiteres innerhalb kürzester Zeit mit einem positiven Gedanken verscheuchen. Das bedarf einer tiefer greifenden Umprogrammierung.

Nachdem mein Saboteur auf dem Praxissofa saß, bot mir meine Therapeutin an, ihn dazulassen und ihm einen Platz zu geben. Seitdem sitzt er dort auf der Balkonterrasse und darf nach Herzenslust die Dachdecker, die verzweifelt nach der Quelle der Feuchtigkeit im Haus suchen, kritisieren und beschimpfen. Eine klassische Win-Win-Situation! Ist es damit vorbei? Schön wär's! Wir werden uns noch häufiger mit ihm beschäftigen und auseinandersetzen müssen. Tatsächlich fühlte ich mich danach aber ein Stück befreit. In weniger wichtigen Situationen meldet er sich schonmal nicht mehr.

Bild: Pixabay

Kommentare:

  1. Hallo Du. Ich bin gerade auf deinen Blog gestossen und finde deine Texte toll, und ich fühl mich ein bisschen weniger alleine. Wenn du magst schau gerne mal bei mir vorbei. Lg www.vomfallenundaufstehen.blogspot.de

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    1. Hallo!
      Schön, dass du hergefunden hast und dich angesprochen fühlst! Deinen Blog schau ich mir auf jeden Fall an!

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