Sonntag, 5. Januar 2014

Mutter-Tochter-Beziehung aus tiefenpsychologischer Sicht

offenes Buch

In beiden Büchern - Schneewittchen und Rapunzel - geht es um die Beziehung zwischen Mutter und Tochter anhand eines Vergleichs mit Märchen, wie es aus der Tiefenpsychologie bekannt ist. In Schneewittchen zieht Matthias Jung noch das Beispiel von Marlene Dietrich und deren Beziehung zu ihrer Tochter heran, was ich manchmal etwas nervig (er scheint ein Fan zu sein?) aber dennoch anschaulich fand.

Während Schneewittchen-Töchter im Schatten ihrer narzisstischen Mütter darben, wird Rapunzel emotional missbraucht. Ihre einzige Lebensaufgabe ist es, das Loch in der Seele der Mutter zu füllen und für deren Stabilität zu sorgen. Beide leben in einer ungesunden Abhängigkeit bis zur Symbiose mit ihren Müttern. Als ein daraus resultierendes psychosomatisches Leiden wird Asthma angegeben, was für mich persönlich erhellend war. Das Kind wird von der falschen Mutterliebe erstickt. Die beiden Muttergestalten scheinen mir eng miteinander verwoben zu sein.

Während die böse Königin mit Schneewittchen in einen Konkurrenzkampf geht und ihre explizite Tötungsabsicht beinahe erfolgreich umsetzt, betrachtet die Hexe Rapunzel als ihren ganz persönlichen Quell der ewigen Jugend. Deshalb hat mich der niedliche Walt Disney Film "Rapunzel - Neu verföhnt" auch so getriggert. Insbesondere die Szene, in der Rapunzel endlich dem Turm entflieht und zum ersten Mal ihre Freiheit erlebt. Wie sie so euphorisch zwischen Glückseligkeit und Schuldgefühlen hin- und herschwankt... Die Meisten mögen das lustig finden. Ich dachte: "Oh Gott, die Ärmste!" In diesem Film werden auch Doublebinds und Verdrehungen sehr deutlich dargestellt.

Schneewittchen: Der Mutter-Tochter-Konflikt (Die gelbe Reihe)

Rapunzel: Der Prozess der Ablösung (Die gelbe Reihe)

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