Montag, 28. Oktober 2013

Dysthymia


Wie ich selber bereits vermutet hatte, bestätigte mein Psychodoc heute, dass bei mir eine Dysthymie vorliegt, also eine dauerhafte depressive Verstimmung leichten Grades. Die genauen Einzelheiten erklärt euch Wikipedia. Mir persönlich gefällt aber auch die Erläuterung auf der Homepage der Hardtwaldklinik.

In der Symptomaufzählung finde ich mich 1:1 wieder. Ich überlege nun schon die ganze Zeit, wann es denn jetzt genau bei mir angefangen hat. Das ist wirklich schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, festzustellen. Ich erinnere mich jedenfalls, dass meine Mutter mich häufig mit meinem Gemütszustand aufzog. "Haste wieder de Melanche (=Melancholie)?" Gefolgt von der Aufforderung, ich solle doch mal lachen oder alles nicht so ernst nehmen. Seitdem halte ich meine Befindlichkeit für einen Mangel an bloßem Willen und demzufolge für meine eigene Schuld. So als könnte ich es mir aussuchen, wie ich mich fühle. Wahrscheinlich reagiere ich deshalb so empfindlich auf das Konzept des Positiven Denkens. Grundsätzlich ein guter Ansatz. Aber er hat seine Grenzen.

Ich halte es für möglich, dass ich seit 20 - 25 Jahren an diesen Symptomen leide. Meine Jugendzeit war definitiv depressiv geprägt mit Friedhofsbesuchen und mehr als traurigen Gedichten. Schlafstörungen habe ich schon seit meiner Geburt. Mit 20 erlebte ich die erste schwere Episode, was dann wohl unter doppelter Depression fällt. Da es niemand bemerkt oder ernst genommen hat und ich selbst meine Gefühlslage tatsächlich für einen Teil meiner Persönlichkeit hielt, wurde mir keine Hilfe zuteil. Ach, doch, meine Mutter brachte mich zu einem Exorzisten. Thumbs up!

Der ganze Mist hat sich nun also verschleppt wie eine nicht kurierte Grippe. Wahrscheinlich kann man in meinem Fall von einer Chronifizierung sprechen. Großartig! Aber besser spät als nie. Das würde zumindest erklären, warum das alles so lange dauert. Denn das halte ich wieder für mein eigenes Verschulden. Ich muss mich doch bloß dafür entscheiden, glücklich zu sein, und das Leben bejahen.

Diagnose hin oder her - wie schon erwähnt, löst das keine konkreten Probleme. Dennoch hilft es mir, mich besser zu verstehen und gewisse Symptome als eben solche zu erkennen, statt diese für schlechte Charaktereigenschaften zu halten, die ich ausmerzen muss. Katholische Altlasten.

Bild: Pixabay

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