Dienstag, 17. September 2013

Die 5 hilflosesten Ratschläge für Depressive - und was stattdessen wirklich hilft

Nichtdepressive Menschen können so gar nicht nachvollziehen, wie es ist, in einem depressiven Loch festzustecken. Das gönne ich ihnen! Leider neigt der Großteil der Menschheit dazu, alles, was in irgendeiner Form traurig, unangenehm oder aufwühlend ist, mit hilflosen Floskeln vom Tisch zu wischen. Es soll bitte alles ganz schnell wieder gut sein.

Meine persönlichen Top 5 der hilflosesten Ratschläge für Depressive:

5. Liegt bestimmt nur am Wetter!
    In der Tat machen graue Wolken es nicht unbedingt besser.
4. Das wird schon wieder!
    Genau. Sehr beruhigend.
3. Mach doch was Schönes!
    Warte, ich suche meinen Antrieb...
2. Das Leben ist so schön!
    Nee, finde ich ja eben nicht.
1. Lach doch mal!
    Über diesen Tipp?

Ich bin geneigt, zu glauben, dass solche Ratschläge gut gemeint sind. Aber wem helfen sie wirklich? Mir jedenfalls nicht. Ich fühle mich unverstanden, nicht ernst genommen und unter Druck gesetzt, meine Depression zu verbergen, damit andere sich besser fühlen.

Ich erwarte nicht, dass man meinen Zustand eins zu eins nachempfinden kann. Aber es wäre wesentlich hilfreicher, im Zweifelsfalle gar nichts zu sagen. Oder: Ja, das ist echt scheiße, dass es dir so geht! Und nun ein Tipp von mir an Menschen, die mit Depressiven zu tun haben: animiert sie zu einem Spaziergang. Bewegung wirkt Wunder, wenn auch nur für einen Moment. Oder schimpft gemeinsam über alles, was gerade so ätzend ist. Übertreibung erlaubt. Im Sinne der paradoxen Intervention finde ich folgende Frage genial: Was könntest du tun, damit es dir noch schlechter geht? Darauf finden Depressive viel schneller eine Antwort. Und sie begreifen, dass sie tatsächlich die Macht besitzen, ihre Situation zu verändern. Wenn es im Negativen funktioniert, dann auch im Positiven.

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