Donnerstag, 30. März 2017

Frühlingsdepression Teil 3: Der Körper sagt Nein

Da ist er wieder, der Frühling! Und trotz aller Vorkehrungen, die ich in den letzten beiden Artikeln den Frühling betreffend beschrieben habe, bin ich schlimmer dran als je zuvor. Auch wenn das vielleicht nicht alles mit meiner Depression zu tun hat, fördert mein körperlicher Zustand nicht gerade mein psychisches Wohlbefinden.

Im Frühling erwacht die Natur zu neuem Leben. Alles wächst, blüht und drängt hinaus aus der dunklen Erde ans Licht. Auch die Menschen erwachen aus ihrem Winterschlaf der Zurückgezogenheit. Frühling ist die Zeit des Säens. Nicht nur für Pflanzen sondern auch für Wünsche und Ziele. Neue Vorhaben werden getroffen, Pläne geschmiedet. Der Frühling ist das Symbol des Lebens und der Aktivität. "Der Mensch braucht ein Ziel, um seine Energie fokussieren und lenken zu können." Alle wirken so dynamisch und sprechen den Zögernden Mut zu in der Absicht, sie durch ihre Begeisterung mitzureißen. Ich bleib liegen.

Vor ein paar Wochen fühlte ich mich gar nicht gut. Erschöpft und ausgelaugt. Ich machte meine autoimmune Schilddrüsenkrankheit dafür verantwortlich und ging mehrmals zum Arzt. Zuerst Überfunktion, dann Unterfunktion. Die Thyroxindosis wurde dreimal verändert. Trotzdem ging es mir nicht besser. Das große Blutbild zeigte laut Arzt normale Werte in allen Bereichen. Die Halsschmerzen wurden stärker. Dann begann meine rechte Gesichtshälfte zu erlahmen. Eine andere Ärztin verschrieb mir Eisen und Magnesium, nachdem ich einen heftigen Muskelkrampf bekam, weil ich die Zunge rausstrecken musste zur Rachenuntersuchung. Sie fand meine Werte nämlich nicht ganz so toll. Tatsächlich verursacht Magnesiummangel ebenfalls Depressionen. Wegen meiner ständigen Verspannungen, die Symptom der Autoimmunkrankheit sind, macht eine Supplementierung auch Sinn.

Übers Wochenende verschlimmerte sich die Gesichtslähmung. Wieder zum Arzt. Diagnose periphere Fazialisparese. Was es nicht alles gibt! Und wieder zur Blutabnahme. Außerdem musste ich Cortison nehmen. Da ich so empfindsam bin, vertrage ich harte Medikamente nicht so gut. Schon das Ibuprofen bescherte mir so heftige Bauchkrämpfe, dass ich kurz davor war, in die Notaufnahme zu fahren. Ich helfe mir normalerweise mit Homöopathie, was ja nicht überall einen guten Ruf hat. Von wegen unwirksam und Scharlatanerie. Bei mir wirkts. Natürlich nicht immer, aber das tun schulmedizinische Medikamente auch nicht. Bei schwerwiegenderen Diagnosen sehe ich allerdings ein, dass Globuli nicht reichen. So eine Parese kann nämlich dauerhaft bestehen bleiben, wenn man nicht sofort handelt. Dank des Cortison ist die Lähmung vollständig verschwunden. Jetzt kämpfe ich noch mit den Nebenwirkungen. Verantwortlich war übrigens ein Herpesvirus.

Frühling ist auch Allergiezeit. Vom Husten verspannt sich wieder der Nacken, was zu Kopfschmerzen führt. Ich bin einfach nur platt. Durch diese Gesichtslähmung erreichten meine Existenzängste außerdem ein neues Level. Ich habe mir alle möglichen schlimmen Dinge ausgemalt. Das trägt nun auch nicht gerade zur Entspannung bei. Besonders witzig fand ich, dass periphere Fazialisparese durch Depression ungünstig beeinflusst wird. Finde den Fehler, dachte ich. Ist ja nochmal gut gegangen.

Das Frühjahr ist und bleibt eine schwere Zeit für depressive Menschen. Es ist zwar sinnvoll und manchmal hilfreich, die Blutwerte auf eventuelle Mängel checken zu lassen und diesen entgegenzuwirken. Aber das ist keine Garantie für einen depressionsfreien Frühling. Im Moment weiß ich auch gar nicht, ob es im Körper oder in der Psyche anfing. Fakt ist, dass ich keine Kraft für Ziele habe. Ich fühle mich zum Stillstand verdonnert. Und das nagt an mir. Wenn ich Pläne schmiede, gehen sie ohnehin nicht auf. Ich glaube, dass ich das auch eher aus einem Zwang heraus mache. Weil ich doch ein Ziel haben MUSS. Sonst "komme ich ja nie da raus". "Wenn Sie ein Ziel haben, auf das Sie hinarbeiten können, aktivieren Sie ihre psychischen Kräfte und Ihre Lebensfreude." Im Kopf würde ich auch gerne so Einiges machen. Und dann sagt mein Körper Nein. Mal wieder. "Dann brauchst du wohl eine Pause." Ja, von was jetzt genau? Von der Pause? Und der Pause von der Pause? Wieviel Pause braucht ein Mensch?

Ich befinde mich zur Zeit nicht in einer depressiven Episode, spüre aber deutlich die dysthyme "Störung" mit Dauererschöpfung. Ich habe die ganzen Ziele und Pläne satt. Ich laufe ja doch jedes Mal in die falsche Richtung. Ich konzentriere mich lieber auf den Moment. Das ist das Einzige, was gerade funktioniert.

Donnerstag, 9. März 2017

Liebster Award: 11 Fragen an mich

Da schreibe ich gestern erst, dass ich aus gesundheitlichen Gründen im Moment nicht schreibe, und dann nominiert mich die liebe Tante Emma vom Gemischtwarenladen für den Liebsten Award, für den ich 11 Fragen über mich beantworten soll. Vielen Dank dafür! Das kommt gerade recht, um mich ein wenig abzulenken. Auch wenn mir jetzt der Kopf schwirrt und die Augen laufen. Egal. Und ich fühle mich natürlich unglaublich geehrt und mache bei einer so schönen Idee gerne mit.

Hier nun ihre Fragen an mich:
  1. Warum hast Du mit dem Bloggen angefangen?
    Weil ich gerne schreibe und ich die Gedanken meiner Depression entspringend aus dem Kopf haben wollte. Mittlerweile ist es mir ein Anliegen, über Depression und andere psychische Erkrankungen aufzuklären, von Therapien zu berichten, mein Wissen und meine Erfahrungen zu teilen und auf das Thema Hochsensibilität aufmerksam zu machen. Ich wünsche mir eine tolerante Welt und hoffe, mit Aufklärung und Sensibilisierung ein wenig dazu beizutragen.
  2. Was fällt Dir beim Bloggen am Schwersten?
    Die Regelmäßigkeit. Asche auf mein Haupt. Wie oft habe ich mir schon vorgenommen, einmal wöchentlich zu schreiben? Und dann stelle ich fest, dass es wieder nur zu einem Artikel im Monat gereicht hat. Es ist nicht so, dass ich keine Ideen hätte. Ich glaube eher, dass ich zu viele Ideen habe und sie schlecht kanalisiert bekomme. Obwohl ich mir oft Notizen mache. Man gibt mir immer wieder das Feedback, ich könne mich so gut ausdrücken. Und dann sitze ich vor dem Laptop und denke: Das sind so komplexe und unaussprechliche Dinge... wie erkläre ich das jetzt verständlich? Mein Hirn denkt schneller, als ich es in Worte fassen kann. Klingt verrückt. Ist aber so. Mein Kopf denkt irgendwie stenografisch - also nicht in ganzen Wörtern oder Sätzen. Für mich ist das so verständlich. Für andere aber nicht. Das muss ich dann übersetzen. Und das fällt mir oft schwer.
  3. Was magst Du besonders an Dir?
    Meinen Humor! Ohne den wäre ich längst nicht mehr da. Er macht mir Vieles erträglicher.
  4. Was vermisst Du in Deinem Leben?
    Das Gefühl, auf eigenen Beinen zu stehen und stolz darauf sein zu können. Mein ewiges Thema: der Konflikt zwischen Abhängigkeit und Selbständigkeit.
    Und meine Leichtigkeit. Die habe ich aber schon früh verloren.
  5. Welche Entscheidung würdest Du gerne korrigieren?
    Meinen Studiengang. Ich hätte vielleicht doch Germanistik studieren sollen statt Sozialarbeit. Andererseits... ist schon alles gut, wie es ist. Vergangene Entscheidungen kann ich nicht rückgängig machen. Deshalb finde ich es müßig, darüber nachzudenken. Man trifft immer die Entscheidung, die aktuell die beste erscheint. Und es ist nie zu spät, einen anderen Weg einzuschlagen.
  6. Was würdest Du immer wieder genauso machen?
    Jobs hinschmeißen, die mich krank machen! Eine der besten Entscheidungen ever!
    Meinen Mann heiraten.
    Auf meine Intuition vertrauen. Die hat immer Recht.
  7. Wem schuldest Du Dank?
    Meinem Mann dafür, dass er mir immer noch nicht weggelaufen ist und mich trotz Depression und Arbeitsunfähigkeit liebt. Für seine Unterstützung und seine heilsame Liebe. Dafür, dass er mir innerhalb der Ehe meine Freiheit lässt, mich zu entfalten.
  8. Woraus ziehst Du die meiste Kraft?
    Aus der Liebe und aus meiner Spiritualität. Und beim Katzenkuscheln und Ponyschnuppern.
  9. Wo machst Du am liebsten Urlaub?
    Ganz ehrlich? Zu Hause im Garten in der Hängematte. In Urlaub fahren ist für mich HSP-bedingt der pure Stress. Wenn ich mich beamen könnte... Das wäre großartig! Denn ich würde gerne so viel von der Welt sehen. Aber lange Reisen sind einfach nichts für mich. Und es geht ja um Urlaub - also ums Entspannen. Das geht für mich am besten in der Hängematte.
    Ansonsten mag ich am liebsten das Meer.
  10. Was ist eine typische Marotte von Dir?
    Ordnen. Und wer mir das durcheinander bringt, wird erschossen! Dinge sortieren hat einfach eine beruhigende Wirkung auf mich. Das hat natürlich etwas mit Kontrolle zu tun. Wenn ich weiß, wo alles ist, fühle ich mich sicher. Dann kann ich auch aus der Ferne meinem Mann erklären in welcher Schublade unter welchen Utensilien bestimmte Dinge zu finden sind. Damit wirke ich auf andere pedantisch und seltsam. Aber sie bewundern mich auch dafür, dass ich grundsätzlich weiß, wo sich was befindet. Selbst in fremder Umgebung. Ich kriege einfach alles mit.
  11. Bier oder Sekt?
    Beides. Hängt von der Tagesform ab.

So. Und nun darf ich meinerseits BloggerInnen nominieren und ihnen 11 Fragen stellen.

Maria von Widerstand ist zweckmäßig
Pat von Mrs. Levia
Silent Write
Julia von Hochsensibel und multipassioniert
Anni von Piratensternchens Welt

Und hier meine Fragen an euch:
  1. Wovon handelt dein Blog und warum?
  2. Was ist dein (geheimer) Traum?
  3. Welcher Glaubenssatz über dich steht dir am meisten im Weg?
  4. Welche Superkraft hättest du gern?
  5. Was ist dein Mut-mach-Song?
  6. Was ist das Beste, das dir in deinem Leben passiert ist?
  7. Was ist dir das Wichtigste im Leben?
  8. Was nervt dich ganz besonders?
  9. Welche ist deiner Meinung nach die beste Erfindung aller Zeiten?
  10. Wenn du eine Löffelliste* schreiben würdest, was würde als erster Punkt drauf stehen?
  11.  Dein allerliebstes Lieblingsbuch?
*Liste von Dingen, die man vor dem Tod unbedingt noch erleben möchte

Ich hoffe, ihr macht mit!

Mittwoch, 8. März 2017

Infopost: Der Körper streikt

Aus Krankheitsgründen entstehen hier derzeit keine neuen Posts. Da mein Kopf betroffen ist, fällt es mir schwer, sinnvolle Zusammenhänge aufzuschreiben. Langes Sitzen vor dem Laptop tut mir ebenfalls nicht gut.

Ich hoffe, bald wieder fit zu sein und dass sich meine Ängste nicht bewahrheiten. Drückt mir die Daumen!

Donnerstag, 9. Februar 2017

Depressions-Bullshitbingo im Supermarkt und was ich sonst so treibe

Heute habe ich keinen therapeutisch wertvollen Artikel für euch. Heute muss ich einfach mal was loswerden.

Ich werde ja immer wieder gefragt, wie ich denn so meine Tage verbringe, da ich ja nicht arbeite. Da muss ich doch dann total viel Zeit haben und mich langweilen. Ja, ich bin froh, dass ich mir meine Zeit selbst einteilen kann, soweit das ohne Termine und Pflichten möglich ist. Nein, ich langweile mich nicht. Auch dann nicht, wenn ich auf dem Sofa liege. Dann ruhe ich mich nämlich aus, weil es die Tage zuvor wieder etwas viel war. Gestern zum Beispiel.

Halb 8. Katze schreit nach Futter. Damit ist die Nacht vorbei. Ich schlafe also nicht bis mittags. Der Gatte ist mal wieder krank und schlurft Minuten später zum Frühstückstisch. Ich checke im Internet den nächstmöglichen Arzttermin für ihn. 12:30 Uhr. Prima. Ich muss sowieso einkaufen gehen. Nach dem Frühstück duschen. Mann legt sich wieder ins Bett. Schon halb 10. Wie die Zeit vergeht! Spülen. Um 10 kommt ein Handwerker (wenigstens pünktlich) wegen unserer Terrassentür. 20 Minuten fachsimpeln. Er meldet sich. Hoffentlich. Zu Ende spülen. Kurz chillen, weil schon wieder müde. Noch was essen, dann auf zum Arzt. Während der Mann im Wartezimmer ausharrt, fahre ich zum Supermarkt. Dort nimmt das unheilvolle Schicksal seinen Lauf.

An der Kasse reiht sich hinter mir eine Bekannte ein. Hallo. Ich lasse sie vor, weil sie weniger Waren hat als ich. Dankbar nimmt sie an, weil sie nur eine halbe Stunde Mittagspause hat. "Und du hast nicht vor, wieder zu arbeiten?" "Äh..., das hat mit vorhaben nichts zu tun." Stammelnd versuche ich zum millionsten Mal in meinem Leben meine Situation zu erklären. Leistungsfähigkeit nicht zuverlässig abrufbar, Angst vor erneutem Absturz und so. Ich versuche, es kurz zu halten. "Man kommt ja sonst nie da raus", sagt sie als selbst Depressionserfahrene. "Naja, ich würde durch Arbeit eher wieder reinkommen." Verdutztes Gesicht. Hach, was versuch ich es überhaupt? Versteht ja doch keiner mein Problem mit der Arbeitswelt. "Und, was machst du denn heut noch so?" Obacht! Der Neid schielt um die Ecke. "Ich muss Jochen vom Arzt abholen, dann noch woanders einkaufen, ein paar Dinge erledigen, nach Hause, dann zum Stall, kochen und endlich Feierabend." "Ach, schon Feierabend! Wie schön!" "Naja, dann ist halb 8." "ICH hab erst um 11 Feierabend!" Selber Schuld! "Nee, um 11 müssen wir schlafen gehen. Wie gehts deinen Katzen?" Kurz vorm Explodieren. Stattdessen implodieren. Ich bin ja höflich. Leider. Wem will sie hier was beweisen? Hat die mal in den Spiegel geguckt? Der Tod auf Latschen sieht frischer aus! Immer dieses "Guck mal, was ich alles leiste! Und du?" Immerhin war sie froh, dass ich aufgrund meines Nichtarbeitens die Zeit hatte, sie an der Kasse vorzulassen. Laune auf dem Tiefpunkt. Overload meldet sich an. Mir ist zum Heulen.

Anruf vom Mann. Sitzt immer noch im Wartezimmer. Fahre allein zum Bioladen. Dann endlich Jochen abholen. Auf zum Nachbardorf an der Post ein Paket abholen und die Arztzettel bei der Krankenkasse einwerfen. Zu Hause erstmal kurz durchdrehen. Müll sortieren beruhigt. Einkäufe einräumen. Eine Stunde chillen und runterkommen. Klingt lang, reicht aber bei Weitem nicht. Weiter gehts zum Stall.

Paddock abäppeln = durch den stiefelausziehenden Sumpf mit Schubkarre stapfen. Während des Äppeleinsammelns phantasieren, dass ich in den Matsch falle und folgenden Schlachtplan aushecken: Horns up und "Wacköööön!!!" rufen, dabei im Kopf "Fear of the dark" von Iron Maiden abspielen. Passiert aber nicht. Dem Rücken kurz ne Pause gönnen. Für die Ponys kochen = Futtereimer mit Medikamenten und Kräutern vorbereiten. Heu für die Nacht bereit stellen und mit Effektiven Mikroorganismen gegen Schimmelpilze besprühen. Die vom Mann bereits leergeräumten Boxen einstreuen, dabei das Stroh wutentbrannt reinschmeißen, weil irgendwie alles schief geht. Scheiß Tag halt. Mit Wurmkur-Diskussion konfrontiert werden, die ich heute eigentlich hatte meiden wollen, weil Scheiß Tag halt. Gemeistert, hat aber Kraft gekostet. Ich hatte noch welche über? Ein paar Minuten vertrödeln bis Zeit zum Reinholen ist. Die im Moment durchgeknallten Araberfohlen vom Paddock in die Box befördern und davon überzeugen, dass ihr Spiegelbild in der Pfütze sie nicht auffrisst. Keiner wurde getötet. Nach Hause. Frisch machen und umziehen. Kochen = Gemüse schnippeln. Währenddessen Bauchkrämpfe kriegen. Ungünstig, so vor dem Essen. Mit Bauchkrämpfen durch das Essen quälen. Wie vorhergesagt um halb 8 endlich auf dem Sofa entspannen, um die Bauchschmerzen loszuwerden. Gegen 10 fast vorm Fernseher eingeschlafen. Bei einer letzten Zigarette vor der Haustür Dachs und Marder Gute Nacht gesagt. Schlafen.

Nein, ich hab echt nix zu tun! Und ich bin voll belastbar!